Kurt kannte diese Morgen, zur Genüge.
Wie er den fahle Geschmack alter Möhrenstücke zwischen seinen Backenzähnen hasste, schlimmer aber war dieses muffig scharfe Brennen im hinteren Rachenraum von diesem scheiß Chinakohl aus Oma Kabulkes Gemüsegarten.
Konnte die alte Schabracke nicht mal was ordentliches anpflanzen ?
Kurt war Hase und wohnte in einer Ackerfurche an Bauer Röddelkottens Erdbeerfeld.
Er musste heute früher raus als sonst...................er hatte einen neuen Job, als Teilzeitosterhase.
Er war gezwungen diesen Job anzunehmen, da man ihm für drei Monate sein
Has 4 gestrichen hatte.
Er hatte, ohne dies der zuständigen Behörde anzugeben, einen Job als Model bei „Ostwestfalens new Tophase“ angenommen.
Brachte gute Kohle der Job, ein bisschen rumräkeln auf nem Stück Kunstrasen, gute Verpflegung, sogar ein paar willige Junghäsinnen für die Pausen hatte man gestellt.
Naja vorbei, was soll`s.
War auf jeden Fall besser als der Job im letzten Jahr, im Streichelzoo Gelsenkirchen.
Man wie hatte er das gehasst, diese scheiß Blagen hatten ihm fast das ganze Nackenfell weggestreichelt.
Einer hatte ihm sogar mal einen Qutipps in den After geschoben.
Es hatte drei Tage gedauert bis er es wieder draußen hatte.
Auch das kleine Mädchen mit der haarlosen Barbiepuppe die ihn so feste drückte, dass sie ihm fast 3 Rippen brach und ihm dann noch ihren Lolli ins Fell klebte hatte er noch unangenehm in Erinnerung.
Nie mehr Gelsenkirchen.
Jetzt hieß es also Eier verteilen.
Er hatte eigentlich vor sich noch mal mit dieser scharfen Junghäsin zu treffen, die er vor zwei Tagen an der Güllegrube von Bauer Grütenkötter getroffen hatte.
Sie trug ihr Fell unverschämt kurz und hatte diesen lasziven Blick, der im das Blut zwischen die Hinterläufe schießen ließ. Leck mich fett, war das ein Feger.
Er verschob dieses Vorhaben auf heute Abend.
Er holte den Eiertragekorb aus der Garage, warf noch einen verliebten Blick auf seinen friedlich schlummernden Doppelkürbis, erinnerte sich an die Zeiten in denen er in Osch versuchte die legendäre Hasenlinie zu kopieren mit der sein großes Vorbild Zeitgeschichte schrieb und sich den Namen „ Zauberer von Osch „ verdiente und machte sich auf den Weg.
Nebel zogen über die ostwesfälische Kulturlandschaft als er durch knöcheltiefen Matsch in Richtung B 224 zog.
Ihm gingen wirre Dinge durch den Kopf.
Bunte Farben, kurze Filmsequenzen von steppenden Elchen in kurzen Schottenröcken oder Spagetti essenden Eisbären die Wäscheleinen aus importierten Pinguineileitern strickten.
Wahnsinn, dieser Chinakohl ist wirklich ein Teufelszeug.
Er war immer noch in Gedanken, als er die viel befahren B 224 in Höhe von Halter Lavesum erreichte.
Normalerweise achtete immer auf den Verkehr wie seine Mutter ihm immer eingetrichtert hatte.
Auch als er schon lange erwachsen war sagte sie immer wenn er nach einem Besuch wieder nach Hause ging:
„ Mußt du nicht noch mal auf`s Kloo“ und „vergiß dein Portemonnaie nicht“
und „ paß auf wenn du über die Straße hoppelst „.
Doch heute war alles anders, abgelenkt durch seine wirren Gedanken
achtete er nicht auf den erbsengrünen 220 D Strich 8, der sich von links mit unmenschlichen 90 km/h näherte.
Am Steuer, der 76 jährige Viehhändler Hermann- Joseph Gattenbröcker auf den Weg zur Viehauktion in Billerbeck.
Ganz schön nebelig heute, dachte Gattenbröcker noch als er an seinem glühenden Zigarrenstumpen saugte und merkte dabei gar nicht das es nicht der Nebel war der ihm die Sicht nahm, sondern der vollgequarzte Innenraum seines Strich 8.
Die Gläser seiner dicken Hornbrille hatten mittlerweile die gleich Farbe wie das Gestell.
So kam es das dass Schicksal seinen Lauf nahm.
Kurt bekam es kaum mit, als das grobe Profil des Ganzjahresreifens ihn in den Asphalt drückte.
Das sich Milz, Leber und das rechte Auge im Querlenkergestänge des Strich 8 verfingen merkte er nicht mehr.
Das die Nougateier aus dem Körbchen sich mit dem Rückenmark vermengten und sein Restfell mit einer schokoladigen Glasur überzog machte die Sache auch nicht gerade erträglicher.
Hermann- Joseph Gattenbröcker merkte in seinem Strich 8 nur einen leichten Hupps und dachte so bei sich, das Bauer Horstkamp, dem das Feld rechtsseitig gehörte mal wieder vom Acker gefahren ist und mit den fetten Reifen seines Fendt 200 S die gesamte Fahrbahn vollgesaut hatte.
Es war 7:46 am 22.3.2008 als Kurt der Hase seinen letzten Schnaufer als kumulierter Haufen aus 16 Nougateiern, 20 Knickebeinstangen und einem Resthasen tat.
Als Herrmann – Joseph Gattenbröcker gegen 8:22 Uhr in Billerbeck eintraf, wunderte er sich nur über das Staniolpapier an seiner Stoßstange und den bräunlich roten Spritzern am Kotflügel, erklärte sich den Dreck aber mit dem Matsch von Bauer Horstkamps letzter Pflügerei.
Bei Horst Raabe und Rüdiger dem Iltis gab es zu Mittag ................................Hase im Nougatbett.
Sie hatten ein wundervolles Osterfest.
Aaaaaaaach, stimmt doch alles gar nicht, es gibt doch gar keine Osterhasen.