Wave oder nicht Wave, das ist hier die Frage…

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Krabbenpuhler
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Wave oder nicht Wave, das ist hier die Frage…

Beitragvon Krabbenpuhler » Sonntag 3. Februar 2008, 14:48

Moin moin,

meinen 100. Beitrag habe ich zum Jubiläum etwas ausführlicher Verfasst und glaube einigen damit Leuten aus der Seele zu sprechen.


Ein sehr häufiges Thema in der Fachpresse, in Foren oder da wo sich Biker begegnen ist das Thema Wave Bremsscheiben. Ich habe mir einfach mal die Mühe gemacht, dieses Thema offensiv anzugehen und aus technischer, sowohl auch aus optischer Sicht zu betrachten.

Mitte der 90er Jahre kamen die ersten Wave Bremsscheiben von Galfer auf den Markt. Diese waren ursprünglich nur für den Motocross und Enduro Sektor bestimmt und hatten eigentlich nur die Aufgabe, den Schlamm schnell wieder abzustoßen, da sie ohne Kühlungsöffnungen gefertigt wurden. Dies wurde schnell Mode, kannte man bis dahin nur runde Scheiben. Die Zusammenarbeit zwischen Galfer und Braking brachte dann die ersten BEKANNTEN Wave Scheiben für Straßenmotorräder hervor. Verschiedenste Formen und die verrücktesten Designs setzten sich nun durch, um sich von den anderen abzuheben. Der eigentliche Grund, den Schlamm abzuschütteln, wurde völlig aus den Augen verloren, da sich die Kunden wie verrückt auf diese Scheiben stürzten.

Mittlerweise gehen auch renommierte Motorradhersteller dazu über die Kundenwünsche zu erfüllen und gewellte Bremsscheiben anzubieten.

Nun stellt sich die Frage, bring ein gewellter Bremsring überhaupt etwas?

Die Scheibenhersteller umwerben diese Scheiben als:

1. Leichter
2. Geringere Temperatur und besserer Thermohaushalt
3. Bessere Bremsleistung und „Modularität“ (was das in diesem Zusammenhang bedeuten soll möchte ich gern mal wissen)
4. Formstabiler
5. Bessere Reinigungseigenschaften am Belag
6. und und und

Was ist nun davon zu halten?

1. Das Gewicht ist ein elementarer Baustein einer Bremse! Der Bremsring dient als eine Art Kondensator bzw. als Wärme Speicher, der die zuvor eingeleitete Energie des Motors durch die Reibung des Belages auf der Scheibe in Wärmeenergie umwandelt. Im Klartext bedeutet das: Je schwerer der Bremsring, je geringer die Spitzentemperatur der Scheibe. Das Design ist hierbei nur in geringstem Umfang in der Lage unterstützend tätig zu sein, die Temperatur in der kurzen Zeit abzuführen.

Dies Argument des geringeren Gewichts schlägt also völlig feht!

2. Eine geringere Temperatur ist aus den oben genannten Gründen völliger Unsinn! Eine Bremsscheibe führt ihre Wärme primär durch Wärmestrahlung ab und nicht, durch Wärmeleitung. Daraus ergibt sich, je größer die Oberfläche, je größer ist die Wärmeabfuhr. Sind große Bereiche des Bremsrings außen entfernt, kompensiert die deutlich verringerte Oberfläche sich auch nicht durch die längere Außenkontur.

3. Die Bremsleistung ist von den eingesetzten Materialien der Scheibe und des Belages und von der Kontaktfläche abhängig. Die anderen Komponenten, die ebenfalls wichtig sind, wie der Bremssattel, Zange und Leitungen, lasse ich hier mal außenvor.
Die Kontaktfläche ist bei gewellten Scheiben geringer und vor allem außen, wo das größte Bremsmoment erzielt wird, befinden sich die Wellen, die eine Unterbrechung und somit einen Reibverlust zur Folge haben. Die Bremsscheibe KANN also keine höhere Leitung aufweisen.

4. Bei der Formstabilität scheiden sich die Geister. Jedoch ist bekannt, dass eine gewellte Scheibe sich ebenso verziehen kann, wie runde. Ich gehe eher davon aus, dass der Unterschied nur sehr gering ist und wahrscheinlich vernachlässigt werden kann.

5. Dies ist eines der unsinnigsten Argumente. Warum soll sich ein Belag reinigen, der eh einem Verschleiß ausgesetzt ist. Der Umkehrschluss wäre allerhöchsten, das der Belag, der mit einer gewellten Scheibe betrieben wird, viel höher verschleißt.

6. Alles war hierzu noch weiter vorgetragen wird ist Marketing und technisch betrachtet zum größten Teil grenzenloser Bullshit. Das einzig ernsthafte Argument, was zählt, ist eine gewisse Einzigartigkeit und etwas anderes zu haben, was vielleicht nicht jeder hat. Diesen Effekt kennen wir aus den 80er Jahren mit den riesigen Spoilern und Auspuffanlagen an den ersten Golf GTI…


Grundsätzlich bremsen die Wave Scheiben natürlich auch anständig, aber im direkten Vergleich zu hochwertigen runden Scheiben, haben die gewellten einen klaren Nachteil im Hochleistungsbereich. Wobei es natürlich auch davon abhängig ist, wie stark die wellen ausgeprägt sind. Je größer die Ausschnitte im Bremsring, je schlechter das Ansprechverhalten, je höher der Belagverschleiß und je stärker die Neigung zum Fading bei hohen Temperaturen im Grenzbereich.
Kohlefaser, Keramik und keramisch beschichtete Bremsscheiben lasse ich hier mal außenvor. Für diese Typen gelten teilweise ganz andere Faktoren. Das wäre aber ein Thema für meinen 200. Jubiläumsbeitrag… :D

Die Philosophie z.B. von Beringer ist hier schon die richtige. Die sagen sich, wir machen die technisch effektivste Form (ganz einfach rund) und nehmen einen sich viel weniger verformenden Guss. Der Nachteil ist leider nur, dass diese Scheiben relativ stark rosten und mit Sinterbelägen stark verschleißen. Aber man kauft sich eben Vorteile oftmals mit Nachteilen ein.

Vielleicht konnte ich hiermit einen konstruktiven Beitrag zum Thema Wave oder nicht Wave leisten…


Schöne Grüße


Andreas
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Beitragvon Ketchup#13 » Sonntag 3. Februar 2008, 15:01

Moin Mr Crabb
Zumindest das mit dem größeren Verschleiß bei Wave Scheiben kann ich bestätigen!! 2005 hielten die Beläge auf der R1mit Serienscheiben noch um die 8 Std. 2006 mit Wave nur noch 6 Std in Oschersleben!! Ich hatte aisserdem den Eindruch daß der Druckpunkt stärker wandert als mit den Originalen(Wärme??) Ich fände daß man heute mit Vollscheiben wie in den 70er und 80er Jahren wieder richtig auffallen würde :lol: Durch das "mehr" an Material könnten die Scheiben auch wieder kleiner ausfallen, und so die Kreiselkräfte wieder mehr Richtung Achse verlagern was dem Handling zugute kommen würde. Denkansatz richtig??

Ketchup#13 8)
Heule nicht, kämpfe!!!!!!
Ich höre Rammstein!!

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Beitragvon Krabbenpuhler » Sonntag 3. Februar 2008, 15:11

Moin Ketchup,


jo deinen Denkansatz sehe ich als richtig an. Etwas dickere Scheiben (6mm) mit geringerem Durchmesser wären durchaus eine interessante Möglichkeit! Aber der Kunde entscheidet es zuletzt eben und der möchte leider Wellen...

Was heißt denn CRABB? :?:


Schöne Grüße in den Schwarzwald


Andreas

PS. Die "Variokolben" nehmen jetzt langsam gestalt an. Ich glaube das wird ein dolles Ding!
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Beitragvon Ketchup#13 » Sonntag 3. Februar 2008, 15:23

Mr Crabb ist der Chef von Sponge Bob :lol: :lol:
Könnte latürnich sein daß ich das falsch geschrieben hab :lol:

Schönen Restsonntach noch, Ketchup#13 8)
Wir teflonieren näxte Woche mal :discussion:
Heule nicht, kämpfe!!!!!!

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Beitragvon kaufes » Sonntag 3. Februar 2008, 15:28

interessanter Beitrag, Danke Mr. Krebs :D
T.D. hat in seinem Shop auch'n bißchen über Bremsen philosophiert
http://shop.durbahn.de/shop/de/products/Bremsen

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Beitragvon Rainer K » Sonntag 3. Februar 2008, 15:49

Alle meine Wave-Scheiben-Käufe waren bislang ein griff in die Toilette ums mal vorsichtig zu formulieren.
Meist schwerer wie die Original Brembo Scheiben der Ducati, die in Serie nur 4mm dick sind, Wave meist 5mm. Alle waren nach kurzer Zeit krumm und fingen an zu rubbeln - teilweise so arg das die Verkleidung das flattern angefangen hat.
Wave die ich Verkauft hab hielten nur bei Strassenfahrern, jeder der Rennstrecke damit fuhr (und auch gescheit damit Bremste) hatte die gleichen Probleme.
Auf meiner 996R fahr ich übrigens noch die ersten Bremsscheiben, die haben ca 20.000 Rennstreckenkilometer drauf, allerdings mit SBS Bremsbelägen die recht schonend mit den Scheiben umgehen - und eine Pussy auf der Bremse bin ja auch nicht gerade..
Die Bremsleistung hängt wesentlich mehr vom geeigneten Bremsbelag als von der Scheibe ab, welcher das im jeweiligen Fall ist muss jeder für sich selbst "Erfahren", nicht umsonst bieten Hersteller hochwertiger Bremsbeläge meist mehrere verschiedene Belagmischungen je nach Einsatzzweck an.
Gruss
Rainer
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Beitragvon SP-12 Harry » Sonntag 3. Februar 2008, 16:41

Ganz einfach:
Ich gehe mal davon aus, dass sie in der Prototypen-WM also der Moto GP, in jedem Fall das verbauen, was im Moment das Beste ist! Und die Moto GP verbaut runde Scheiben (Ich weiss...aus Carbon)!
Sind wir ehrlich, der einzige Grund für Wave-Scheiben (Habe sie an meinem Strassenbike auch) ist die Optik. Ist halt schick!!

Im übrigen gibt es da doch auch noch diese segmentierten Scheiben. Aber auch das hat sich nicht durchgestzt, oder?
Gruss Harry , die Comeback-Schlampe
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Beitragvon Normen » Sonntag 3. Februar 2008, 18:26

Fahre selbst die Braking Wave Scheiben schon länger. Verzug oder so kann ich nicht feststellen, aber der Bremsbelag verschleiß ist höher. Da meine Full Floater haben, läuft das Rad extrem frei - was ein Vorteil ist.

Woei ich ganz klar sagen muß daß ich mir sowas nie kafen würde - war am Moped dran :wink:

Grüße Normen

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Beitragvon jkracing » Sonntag 3. Februar 2008, 19:43

die Race-Bremsscheiben von Brembo sind 6mm dick und rund :!: , ich gehe stark davon aus daß die sich was dabei denken :idea:

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Beitragvon T.D. » Sonntag 3. Februar 2008, 21:18

Kann ich mal kurz'n Link geben ?
Ich weiss ich bin kein Sponsor , aber ich weiss, dass mir Wave Scheiben nicht gefallen, und es gibt auch nicht wenige, die mir 5-6mm Bremsscheiben in der Vergangeheit empfohlen habe, weil diese einfach harte Bremsmanöver auf Dauer überstehen( aufgrund der Fähigkeit, mehr Wärme speichern zu können, ohne sich zu verziehen).
www.durbahn.de - Fractioncontrol


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