Frühlingsgefühle 2008
Prolog: Das Donnergrollen
Es ist kurz vor Weihnachten 2007, tiefster Winter, jedoch gibt es in und um Düsseldorf keinen Schnee. Die Geschenke sind gekauft und ich habe einen Berg an Arbeit. Trotzdem kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren: Nach 2 1/2 Jahren Pause soll es nun endlich wieder auf die Rennstrecke gehen.

Am Ostermontag 2008 soll es losgehen. ART-Motor ist der Veranstalter des Trainings und hat bei Nennung bis Weihnachten ein gutes Angebot im Programm und so schicke ich meine Nennung rechtzeitig raus. Prompt kam die Nennungsbestätigung und noch vor Jahreswechsel wurde das Nenngeld abgebucht (so früh habe ich noch nie ein Training gebucht...).
Ab dem Moment ging es mir schon besser. Kurz nach Jahreswechsel war aber schon wieder alles in weite Ferne gerückt. Ostern ist ja noch soooo weit weg und so plante ich zusammen mit Freunden zunächst noch meinen ersten Skiurlaub in den Alpen (Gerlosplatte/Königsleiten), der nunmehr seit dem 1. März auch schon wieder Geschichte ist (war übrigens supergeil!).
Zurück im Geschäft stapelte sich die Arbeit und an die Vorbereitung der seit 2 1/2 Jahren unberührt in der Garage stehenden Laaks-R6 war nicht zu denken. Ich war schon froh, wenn ich es schaffte meiner Marathonvorbereitung abends um 21 Uhr oder noch später mit 15-km-Trainingsläufen nachzukommen.
Doch die Zeit drängelte. Ich organisierte für einen Bekannten aus Sonneberg, mit dem zusammen ich nach Ledenon fahren werde, eine günstige Rennverkleidung und gebrauchte Reifen. Auf der Strecke blieb dabei noch meine R6, die tief versteckt in der Garage schlummerte und darauf wartete zum Leben erweckt zu werden.
Doch am Montag war es endlich so weit, gegen 19 Uhr brach ich auf und schloss die Garage, die mittlerweile im vorderen Bereich zu einem Lager meines Geschäftes missbraucht wird, auf. Vorbei an der CB1 und meiner neuen Straßenschlampe quetschte ich mich durch zur Motorradbühne. Dort stand sie, traurig dreinblickend mit ihrer bereits zum Teil gestrippten mattschwarzen Trainingsverkleidung die ich für einen Seriensportlauf im September 05 montiert hatte. Die Batterie war abgeklemmt und das letzte Aufladen derselben war schon länger her. Ich schloss sie an und natürlich kam nichts. Ich suchte das Ladegerät raus und steckte den Stecker in die dafür vorgesehen Buchse am Motorrad. Irgendwie machte das Gerät komische Geräusche, aber es schien zu laden.
Derweil machte ich mir einen kleinen Plan wie ich vorgehen wollte und befüllte als erstes das Kühlsystem mit frischem Wasser. Das erste Problem tauchte auf, als ich den Schnellverschluss des Tanks anschloss und sich nach dem Betanken der Sprit am Schnellverschluss den falschen Weg suchte.

Die Dichtung war defekt und damit die eine Hälfte des Verschlusses. Mir fiel aber ein, dass wir seinerzeit (Anfang 2004) geschickterweise 2 Verschlüsse beschafft hatten (stammt serienmäßig von einer Enduro von Suzuki oder Yamaha) und ich machte mich auf die Suche. Glücklicherweise fand ich in der derzeit verdammt chaotischen Garage das Teil und der Tank wurde wieder kontinent.
So schraubte ich dann so vor mich hin, aber die Batterie wollte einfach nicht voller werden. Als es dann 1 Uhr nachts war, entschloss ich mich, sie mitzunehmen und am nächsten Tag an ein größeres Ladegerät in meinem Betrieb zu hängen. Mit gutem Gefühl fuhr ich nach Hause und legte mich mit endlich wieder mit nach Benzin und Öl duftenden Händen ins Bett.
Am Dienstag lud ich die Batterie auf um am nächsten Morgen noch vor der Arbeit zur Garage zu fahren. Schnell baute ich die Batterie ein. Zu groß war mein Verlangen die R6 zu hören. Ich schloss die Batterie an, legte erwartungsvoll den On-schalter um und...
...der Schaltblitz leuchtete grell in den Raum. Ich wunderte mich, drückte aber trotzdem auf den Anlasserschalter:
Bssssssssssssssssssssss...................
??? ??? ???
Was war das? Wieso drehte der Anlasser durch? Ich hatte die R6 doch voll funktionierend abgestellt? Das kann doch nicht sein? Verdammte Sch.... Und: Ich konnte jetzt nicht auf Fehlersuche gehen, ich musste dringend zur Arbeit. Mist, Mist, Mist. Ledenon ist doch schon in 2 Wochen. AAAArrrrgggghhhh....
Ich schloss alles wieder ab und fuhr zur Arbeit. Aber ich konnte mich nicht konzentrieren, was war das nur, das kann doch nicht sein, mann, mann, mann...
Ich schloss schon fast mit Ledenon ab, da ich sowieso kaum Zeit zur Vorbereitung hatte. Nunja, es nützt halt nichts. Mittwoch Abend wollte ich weiterschrauben. Aber ich kam mit einem Auftrag nicht durch und der Mittwoch abend stand im Zeichen des Jobs.
Dann kam der Donnerstag, der Rückweg von einem Kunden führte mich in der Nähe der Garage vorbei. Ich beschloss noch "mal eben" nach der R6 zu schauen. Vielleicht hatte sie es sich ja anders überlegt?
Ich schaute auf die Batterieanschlüsse, ich schaute auf die Batterie. Das ist gar keine serienmäßige Batterie. Wir hatten sie von Manfred Wegner (2004 mit H. Kaufmann in der IDM) bekommen, es war eine kleinere Batterie, als die serienmäßige. Dunkel konnte ich mich entsinnen, dass irgendwas damit war. Ich überlegt und kam dann drauf! Die Pole der Batterie waren seitenverkehrt! Ich maß schnell alles durch und der Groschen fiel. Schnell verdrillte ich die Batterieanschlüsse und schloss die Pole verdreht an.
Jetzt war der Augenblick gekommen. Sollte ich den Fehler beseitigt haben? Sollte es der einzige Fehler sein? Sollte die Laaks-R6 nach 2 1/2 Jahren Schlaf womöglich sogar anspringen?
Ich legte den On-Schalter um und....
.... die Benzinpumpe summte kurz. Aahh! Soooo hatte ich das doch in Erinnerung!
Meiner Finger wurden feucht. Ich traute mich kaum den Anlasserschalter zu pressen.
Ich wischte sie an einem benzinduftenden Tuch ab, fasste mir ein Herz und drückte auf den Knopf: Ühü ühü, klack. Ühü ühü, klack. Ühü ühü brumm klack. Ühü ühü ühü brummbrummbrumm. Mir schauderte es. Die Haare auf meinen Armen stellten sich auf, meine Haut wurde hubbelig wie eine Orange. Noch 3 x ging die R6 aus, dann brummte sie gleichmäßig auf allen 4 Pötten vor sich hin. Ich drehte das Standgas etwas höher, die Temperaturanzeige zeigte die ersten Grade an, ich füllte den Kühler auf, die Wasserpumpe arbeitete einwandfrei. Ich drehte vorsichtig am Gasgriff. Sofort nahm die Rennmaschine das Gas an. Die Temperatur stieg und ich drehte mit kurzen Gasstößen etwas höher, die Gänsehaut wurde heftiger. Dann erreichte die R6 Betriebstemperatur.
Mir wurde flau im Magen. Jetzt wollte ich sie hören. Auch sie bettelte mich an "Dreh mich, dreh mich!"...
Ich nahm den Gasgriff in meine verschwitzten Hände, überlegte noch einmal und drehte (in der Garage) kurz hoch, so auf 7000 U/min. "Wow, schön" dachte ich und drehte bis 8000 U/min. Das Grollen wurde lauter. Mir wurde ganz kalt und heiß ums Herz und völlig in Euphorie versunken drehte ich sie mit einem Gasstoß hoch, bis der Schaltblitz aufleuchtete. Die Garage erschallte laut, die Laaks-R6 schrie mich an und mir lief es eiskalt den Rücken runter. Nochmals jagte ich den Motor bis kurz vor den Begrenzer und hinter mir fielen Eiswürfel zu Boden. Meine Haut sah aus wie die einer frisch gerupften Gans. Die Laser-Anlage zauberte ihren fantastischen sound aus dem sauber laufenden Laaks-Renn-Motor.
SO hört sich eine Rennmaschine an! Noch mal drehte ich hoch und mir schauerte es erneut.
Ich drückte den On-schalter auf Off und es wurde wieder ruhig. Mit leisem knistern beruhigte sich die Rennmaschine. Auch ich kam langsam wieder runter. Der Puls sank auf unter 180 Schläge.
Meine Renn-R6 fragte mich wann es denn nun endlich wieder losgeht. Ich sagte "Ruhig, Kleines, ganz ruhig, schon bald ist es so weit, wir brauchen nur noch neue Socken für dich".
Ich tätschelte Ihren Tank und strich ihr über den Höcker. Ich löschte das Licht und fuhr zurück in meinen Betrieb.
Schon von draußen sah ich dass eine Sendung gekommen ist und ich wusste, Ledenon ist nicht mehr weit...
Sendung meines 2004er Sponsors: Bridgestone
ACHTUNG! Bis auf Widerruf leider keine Annahme von Reifenwärmerreparaturen mehr.
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Wenn das Leben dir nur Zitronen anbietet, ja dann frag doch einfach noch nach Salz und Tequila!