Alleinreisend - Alles anders
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über die es sich lohnt zu sprechen!
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- campari Offline
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Tausende von Kilometern war ich durch Europa gejuckelt, und meistens waren die - neben Schaustellerkindern - am meisten autogereisten Kinder der Welt dabei. Die beiden Plätze auf der Rückbank meines Autos blieben leer, diesmal. Ich hatte angeboten, mit dem kleineren Anhänger die Kindschaft mitzunehmen, damit man flexibler bei Ausweichrouten wäre. Ausweichrouten. Mich gruselte bei dem Gedanken, irgendwo durch das Erzgebirge fahren zu müssen, mit einen Anhänger. Das letzte Mal war Jahrzehnte her. Enge Kehren, Lastverkehr, Wald. Nichts, was man unbedingt machen muss...nie wieder wollte ich hier entlangfahren!
Sieben Tage Brünn. Brünn war am AdW, wie man so schön sagte. Mitten im Wald im Nirgendwo. Was wollte ich überhaupt da? Ich war einmal dort im Kreis gefahren. In meinem Eintrag steht "Brünn und ich, wir werden keine Freunde..." 2012 - eine 2:31. Mit Biegen und Brechen hatte ich damals die fette Suzinette um die Bergabkurve gebogen bekommen. Aber witzigerweise steht in meiner Wohnzimmervitrine ein Pokal "Brünn 2012, Bikeroffice Racing, 2. Platz" - So ein Rennen-mit-drei-Mädchen-Ding. Wie viel Stolz man dem beimessen kann, sei jedem überlassen. Ich hatte meine Zweifel daran, dass das die Leistung war, mit der ich einem Karriereende entgegensehen wollte.
Und während ich so in mich hineinsinnierte, deuteten alle Navigationszeichen darauf, dass die Autobahn hinter Dresden zu meiden war. Ich klingelte den Irokesenman an, um zu fragen, ob der was wisse. Der Henning, der etwa eine Stunde eher losgefahren war als ich, rief an und schilderte die Lage...es sei ein Riesenstau an der Grenze. Immer noch mangelte es an Vernetzung in meinem Hirn. Wieso sollten die Tschechen Grenzkontrollen haben?!? Im Verkehrsfunk war nur die Rede von "lange Verzögerung bei der Ausreise" - und ich dachte immer noch daran, dass die Gegenrichtung gemeint war. Kurz vor der letzten Möglichkeit entschied ich dann doch, den Weg über Altenberg-Teplice zu nehmen. Und irgendwann dämmerte es. Deutschland kontrollierte an den Außengrenzen, um den Attentäter vom CSD zu finden (vermutlich wohlwissend dass der sich vielleicht nicht direkt in den Flixbus setzen würde).
So viel zum Thema nie wieder...man sollte immer offen für einen Perspektivwechsel sein.
Sieben Tage Brünn. Brünn war am AdW, wie man so schön sagte. Mitten im Wald im Nirgendwo. Was wollte ich überhaupt da? Ich war einmal dort im Kreis gefahren. In meinem Eintrag steht "Brünn und ich, wir werden keine Freunde..." 2012 - eine 2:31. Mit Biegen und Brechen hatte ich damals die fette Suzinette um die Bergabkurve gebogen bekommen. Aber witzigerweise steht in meiner Wohnzimmervitrine ein Pokal "Brünn 2012, Bikeroffice Racing, 2. Platz" - So ein Rennen-mit-drei-Mädchen-Ding. Wie viel Stolz man dem beimessen kann, sei jedem überlassen. Ich hatte meine Zweifel daran, dass das die Leistung war, mit der ich einem Karriereende entgegensehen wollte.
Und während ich so in mich hineinsinnierte, deuteten alle Navigationszeichen darauf, dass die Autobahn hinter Dresden zu meiden war. Ich klingelte den Irokesenman an, um zu fragen, ob der was wisse. Der Henning, der etwa eine Stunde eher losgefahren war als ich, rief an und schilderte die Lage...es sei ein Riesenstau an der Grenze. Immer noch mangelte es an Vernetzung in meinem Hirn. Wieso sollten die Tschechen Grenzkontrollen haben?!? Im Verkehrsfunk war nur die Rede von "lange Verzögerung bei der Ausreise" - und ich dachte immer noch daran, dass die Gegenrichtung gemeint war. Kurz vor der letzten Möglichkeit entschied ich dann doch, den Weg über Altenberg-Teplice zu nehmen. Und irgendwann dämmerte es. Deutschland kontrollierte an den Außengrenzen, um den Attentäter vom CSD zu finden (vermutlich wohlwissend dass der sich vielleicht nicht direkt in den Flixbus setzen würde).
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- campari Offline
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Als ich hinter Teplice auf die Autobahn rollte, standen die sehr viel früher losgefahrenen Kinder immer noch im Stau. Ich beneidete niemanden in dem Auto. Zur Erheiterung spielten wir telefonisch "ich sehe was, was du nicht siehst" - noch nie war das so einfach. Ich sah grau. Die Wolken zeigten Regen an.
Hoffentlich gäbe sich das noch. Und hoffentlich würde es nicht zu warm. Und hoffentlich bekam ich irgendwo einen vernünftigen Stellplatz.
Als ich um etwa halb acht im Fahrerlager eintraf, hatten schon alle ausgepackt. Überall standen Leute. Und nirgendwo war Schatten. Irgendwie war der ganze Plan durcheinandergeraten. Anstelle einer großen Wagenburg-WG hatte sich Team Vusi woanders plaziert als Team Irokese. Und alles stand schon so aufgebaut, dass ich nicht den Eindruck hatte, ich würde irgendwo dazupassen. Schatten. Ich würde Schatten brauchen. Die durch Rasensteine unterbrochene Steppenlandschaft sah nicht so aus, als ob sie mich vier Tage überleben ließ. Während ich in Schleichfahrt an dem Konglomerat vorbeirollte, musste ich feststellen, dass pro Box klar gewonnen hatte. Ich wischte den Sparsamkeitsgedanken beiseite. Das Geld für einen Nachrüstsubwoofer bekäme ich schon anders zusammen. Ich wollte ganze sieben Tage durchhalten. An Tag drei durch einen Hitzschlag niedergestreckt zu werden, war keine Option. Und vielleicht könnte mein Boxenplatz auch ein Refugium für wärmegeplagte Kindschaft werden. Besser, man sorgte vor.
Ich stellte mich in die sich wie erwartet zügig bewegende Anmeldeschlange und kaufte eine Box. Ein teurer Spaß.
Hoffentlich gäbe sich das noch. Und hoffentlich würde es nicht zu warm. Und hoffentlich bekam ich irgendwo einen vernünftigen Stellplatz.
Als ich um etwa halb acht im Fahrerlager eintraf, hatten schon alle ausgepackt. Überall standen Leute. Und nirgendwo war Schatten. Irgendwie war der ganze Plan durcheinandergeraten. Anstelle einer großen Wagenburg-WG hatte sich Team Vusi woanders plaziert als Team Irokese. Und alles stand schon so aufgebaut, dass ich nicht den Eindruck hatte, ich würde irgendwo dazupassen. Schatten. Ich würde Schatten brauchen. Die durch Rasensteine unterbrochene Steppenlandschaft sah nicht so aus, als ob sie mich vier Tage überleben ließ. Während ich in Schleichfahrt an dem Konglomerat vorbeirollte, musste ich feststellen, dass pro Box klar gewonnen hatte. Ich wischte den Sparsamkeitsgedanken beiseite. Das Geld für einen Nachrüstsubwoofer bekäme ich schon anders zusammen. Ich wollte ganze sieben Tage durchhalten. An Tag drei durch einen Hitzschlag niedergestreckt zu werden, war keine Option. Und vielleicht könnte mein Boxenplatz auch ein Refugium für wärmegeplagte Kindschaft werden. Besser, man sorgte vor.
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Als ich vor Box 22 geparkt hatte und meinen Krempel in ebendiese Box räumte, trafen auch irgendwann Kindschaft und der Henning ein. Ich hatte zwar vorab alle Nachbarn gefragt, ob ein Deseo mit 1 Moped noch in den Parkraum passen würde, die Entscheidung für den Standplatz war aber pro Team Irokese gefallen. Die Kindschaft bevorzugte Gemeinschaft mit Vusihund, obwohl dieser ja woanders wohnte. Spaß mit Vusihund, immer Action und sich überall durchfressen. Es war klar, wie das alles gegen "bei Mama wohnen" stand.
Ab und zu würde jemand auftauchen und mich nach etwas zum Essen fragen. So viel war klar. Aber ich sah Tagen entgegen, an dem der Kinderspaß ohne mich stattfinden würde. Ich hatte also eine Auszeit von erzieherischer Tätigkeit. Das und ausreichend Schatten. Das musste doch was werden!
Ich hatte Hunger. Gurke schneiden, Wasser kochen, ein Pack Instant Yam Yam auf die Gurken und Wasser drauf. Ich merkte, dass ich die Chiliflocken vergessen hatte.
Oh, nein.
Ich wollte umrühren und merkte, dass ich den Löffel vergessen hatte.
Oh, nein, oh, nein.
Beim Zusammenbau von Schöner Wohnen hatte ich mir schon ein großes Stück Daumen zwischen Tischplatte und- Fuß geklemmt und abgerissen (Oh, nein, oh, nein, oh, nein) und während ich immer wieder daran nuckelte, um das Blut abzusaugen, was aus der Wunde quoll, bat ich darum, dass ich mir aus dem Rest des Zugewinnhaushaltes einen Löffel ausleihen könne. Das letzte Mal, dass ich Blutwurst mochte, war zu dem Zeitpunkt als ich noch relativ regelmäßig in der Salentinstraße 345 von meines Oppas Tisch aß. Das war lange her und von dieser Zeit meiner Kindheit war nicht viel geblieben außer einer unverständiserregenden Kühlturmnostalgie und Erinnerungen an "Haldenförschchen" (wie man es halt nannte, wenn man als Vater zwei Kinder mitnahm, um zwischen den abartig großen Kippern Abraum zu untersuchen). Und ich freute mich sehr, als mir von Kinderhand ein Löffel gereicht wurde. Auch, wenn dieser mit seinem roten Plastikgriff sehr stillos daherkam. Endlich konnte ich umrühren. Den Daumen klebte ich mit einem Pflaster zu.
Ab und zu würde jemand auftauchen und mich nach etwas zum Essen fragen. So viel war klar. Aber ich sah Tagen entgegen, an dem der Kinderspaß ohne mich stattfinden würde. Ich hatte also eine Auszeit von erzieherischer Tätigkeit. Das und ausreichend Schatten. Das musste doch was werden!
Ich hatte Hunger. Gurke schneiden, Wasser kochen, ein Pack Instant Yam Yam auf die Gurken und Wasser drauf. Ich merkte, dass ich die Chiliflocken vergessen hatte.
Oh, nein.
Ich wollte umrühren und merkte, dass ich den Löffel vergessen hatte.
Oh, nein, oh, nein.
Beim Zusammenbau von Schöner Wohnen hatte ich mir schon ein großes Stück Daumen zwischen Tischplatte und- Fuß geklemmt und abgerissen (Oh, nein, oh, nein, oh, nein) und während ich immer wieder daran nuckelte, um das Blut abzusaugen, was aus der Wunde quoll, bat ich darum, dass ich mir aus dem Rest des Zugewinnhaushaltes einen Löffel ausleihen könne. Das letzte Mal, dass ich Blutwurst mochte, war zu dem Zeitpunkt als ich noch relativ regelmäßig in der Salentinstraße 345 von meines Oppas Tisch aß. Das war lange her und von dieser Zeit meiner Kindheit war nicht viel geblieben außer einer unverständiserregenden Kühlturmnostalgie und Erinnerungen an "Haldenförschchen" (wie man es halt nannte, wenn man als Vater zwei Kinder mitnahm, um zwischen den abartig großen Kippern Abraum zu untersuchen). Und ich freute mich sehr, als mir von Kinderhand ein Löffel gereicht wurde. Auch, wenn dieser mit seinem roten Plastikgriff sehr stillos daherkam. Endlich konnte ich umrühren. Den Daumen klebte ich mit einem Pflaster zu.

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- campari Offline
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Autodrom Brno, 27.7.2026, bei einer erfrischend kurzen Fahrerbesprechung wird darauf hingewiesen, dass es den Text in Englisch gibt und für den Bedarf einer deutschen Übersetzung ich zuständig sei
Es wird auch darauf hingewiesen, dass es über die nächsten Tage warm werden wird. Und darauf, dass man einen Mix aus Leuten, die neu auf dem Track sind, habe und Leuten mit drölfzigtausen Runden Brünn. Und vor allem wird darauf hingewiesen, dass man sich nicht zerstürzen möge und schon gar nicht im ersten Turn. Und dass es die Sixpackablieferungspflicht gäbe.
(Spoiler: Klappte nicht. Wir starteten mit relativ zügigen Abbrüchen.)
Und man verweist darauf, dass es für die Enduranceteams sinnvoll wäre, wenn Fahrer auf ähnlichem Leistungsniveau sich zusammentäten, damit nicht ein volles Team wegen der Graupigkeit eines Bestandteiles die Qualifizierung verpasst. Ach, ja, ich hatte Anweisung, Endurance zu fahren. Aber ein Mischteam...ich wollte klassenrein starten. Und vielleicht würde ich mich auch gar nicht qualifizieren. Wer wusste das schon...ich brauchte noch einen Kaffee. Turn 1 ließ ich aus. Jetzt nur nicht hektisch werden. Ich hatte keine Eile bei sieben Fahrtagen. also störte es mich auch nicht, dass die Kontaktlinsen mal wieder nicht reingingen, und als sie es doch taten, die Augen brannten wie doof. Danach ging es nur noch Klimper-Klimper-Kneif. Und ab und zu mal Augentropfen rein. Lieber öfter als zu wenig. Öl war genug im Motor. Auf Zubehör wie Schläuche konnte ich bisher verzichten. Nichts wurde mehr in hektischem Aktionismus erledigt, sondern ruhig und Schritt für Schritt. Mir ging es besser damit. Lieber gemütlich und ordentlich als huschti-nuschti und am Ende was nicht festgeschraubt.
Da saß ich nun in meiner Sammelbox. Zwischen zwei Herrschaften aus Deutschland, von denen ich einen, Bernd, zeitig informiert hatte, dass ich später noch Hilfe und mindestens "ein Werkzeug" benötigen würde. Mangels Klaus in meiner Box brauchte ich einen Stellvertreter und die Wahl war auf ihn gefallen. Er schien sich zu fügen.
Es wird auch darauf hingewiesen, dass es über die nächsten Tage warm werden wird. Und darauf, dass man einen Mix aus Leuten, die neu auf dem Track sind, habe und Leuten mit drölfzigtausen Runden Brünn. Und vor allem wird darauf hingewiesen, dass man sich nicht zerstürzen möge und schon gar nicht im ersten Turn. Und dass es die Sixpackablieferungspflicht gäbe.
(Spoiler: Klappte nicht. Wir starteten mit relativ zügigen Abbrüchen.)
Und man verweist darauf, dass es für die Enduranceteams sinnvoll wäre, wenn Fahrer auf ähnlichem Leistungsniveau sich zusammentäten, damit nicht ein volles Team wegen der Graupigkeit eines Bestandteiles die Qualifizierung verpasst. Ach, ja, ich hatte Anweisung, Endurance zu fahren. Aber ein Mischteam...ich wollte klassenrein starten. Und vielleicht würde ich mich auch gar nicht qualifizieren. Wer wusste das schon...ich brauchte noch einen Kaffee. Turn 1 ließ ich aus. Jetzt nur nicht hektisch werden. Ich hatte keine Eile bei sieben Fahrtagen. also störte es mich auch nicht, dass die Kontaktlinsen mal wieder nicht reingingen, und als sie es doch taten, die Augen brannten wie doof. Danach ging es nur noch Klimper-Klimper-Kneif. Und ab und zu mal Augentropfen rein. Lieber öfter als zu wenig. Öl war genug im Motor. Auf Zubehör wie Schläuche konnte ich bisher verzichten. Nichts wurde mehr in hektischem Aktionismus erledigt, sondern ruhig und Schritt für Schritt. Mir ging es besser damit. Lieber gemütlich und ordentlich als huschti-nuschti und am Ende was nicht festgeschraubt.
Da saß ich nun in meiner Sammelbox. Zwischen zwei Herrschaften aus Deutschland, von denen ich einen, Bernd, zeitig informiert hatte, dass ich später noch Hilfe und mindestens "ein Werkzeug" benötigen würde. Mangels Klaus in meiner Box brauchte ich einen Stellvertreter und die Wahl war auf ihn gefallen. Er schien sich zu fügen.

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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Ich warf noch einen Blick auf den Streckenplan. In meinem Kopf war noch eine ungefähre Idee, wo es rumging, aber Sorge stieg auf, dass ich wiederum mit den alten Schwierigkeiten zu kämpfen haben würde. Tief in meinen Muskelfasern erinnerten sich Zellkerne daran, welche Anstrengung damit verbunden gewesen war, diese 2:31 zu bewerkstelligen. 2012. Das war lange her.
Öl war genug im Motor. Die Reifen waren mit über 500km gut eingefahren, sollten aber immer noch passabel zum Einrollen sein. Kunststückchen waren an diesem Vormittag sowas von ausgeschlossen. Am Nachmittag könnte man darüber reden, etwas mehr beschleunigen zu wollen - aber da für einen neuen Reifen zu sorgen, wäre eine einfache Übung. Ich hatte ja eine zweite Felge mit einem frischen MS2 dabei. Jawohl. Ich war vorbereitet.
Na, dann mal los. Noch schnell ein wenig Augentropfenflüssigkeit auffüllen. Klimper, klimper, kneif. Schnell war ich an der Stelle vorbei, an der ich die Suzinette wegen ihrer lötstellenbedingten Aussetzer abgestellt hatte. Oh, je, was waren das für Zeiten. Alles, was das Fahren komfortabel machte, musste an dem alten Eimer nachgerüstet werden. Eine Ganganzeige, die mehr damit zu tun hatte, Gänge zu identifizieren und den passendsten für die Anzeige vorzuschlagen, eine Antihopskupplung, Traktionsmehroderwenigerkontrolle. Und zum Schalten? Im Leben wäre ich vor 2014 nicht auf die Idee gekommen, Schaltautomaten in Betracht zu ziehen.
Der Markt hatte das für mich geregelt. Ordentliche Mopeds hatten für gewöhnlich zumindest einen Quickshifter. Was hatte sich nicht alles getan im Wettbewerb der Modelle. Und dann hatte der Henning an das Gelbe angebaut, was noch rumlag. Und ein weiteres Blipperfabrikat (HM), was endlich keine Probleme mehr machte. Die Schaltstange hatte ich in Oschersleben noch einmal an die neuen, etwas längeren Stiefel angepasst und ordentlich gekontert, damit sie auch fest war.
Motorradfahren war nie einfacher für mich.
Für andere schien es schwierig zu sein. Nach nicht einmal drei Runden sehe ich rot und darf zurück in die Box.
Öl war genug im Motor. Die Reifen waren mit über 500km gut eingefahren, sollten aber immer noch passabel zum Einrollen sein. Kunststückchen waren an diesem Vormittag sowas von ausgeschlossen. Am Nachmittag könnte man darüber reden, etwas mehr beschleunigen zu wollen - aber da für einen neuen Reifen zu sorgen, wäre eine einfache Übung. Ich hatte ja eine zweite Felge mit einem frischen MS2 dabei. Jawohl. Ich war vorbereitet.
Na, dann mal los. Noch schnell ein wenig Augentropfenflüssigkeit auffüllen. Klimper, klimper, kneif. Schnell war ich an der Stelle vorbei, an der ich die Suzinette wegen ihrer lötstellenbedingten Aussetzer abgestellt hatte. Oh, je, was waren das für Zeiten. Alles, was das Fahren komfortabel machte, musste an dem alten Eimer nachgerüstet werden. Eine Ganganzeige, die mehr damit zu tun hatte, Gänge zu identifizieren und den passendsten für die Anzeige vorzuschlagen, eine Antihopskupplung, Traktionsmehroderwenigerkontrolle. Und zum Schalten? Im Leben wäre ich vor 2014 nicht auf die Idee gekommen, Schaltautomaten in Betracht zu ziehen.
Der Markt hatte das für mich geregelt. Ordentliche Mopeds hatten für gewöhnlich zumindest einen Quickshifter. Was hatte sich nicht alles getan im Wettbewerb der Modelle. Und dann hatte der Henning an das Gelbe angebaut, was noch rumlag. Und ein weiteres Blipperfabrikat (HM), was endlich keine Probleme mehr machte. Die Schaltstange hatte ich in Oschersleben noch einmal an die neuen, etwas längeren Stiefel angepasst und ordentlich gekontert, damit sie auch fest war.
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Für andere schien es schwierig zu sein. Nach nicht einmal drei Runden sehe ich rot und darf zurück in die Box.

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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Schon wieder Blutwurst. Der Daumen geht immer wieder auf. Ich habe die Faxen dicke und greife zum Sprühpflaster und lackiere eine ordentliche Schutzschicht über das offene Stück. Sprühpflaster...kurz nachdem der Ostfriese77 gerade eben nicht über mich drübergefahren war und als nebenan im Zimmer der Skyver vor Schmerzen schrie, hatte man mir in Oschersleben den Arm mit Sprühpflaster behandelt. Es brannte wie Sau, aber ich wollte weiterfahren und brauchte eine Schutzschicht. Ich hatte damals zwei Sachen über Sprühpflaster gelernt:
1. versprich niemandem, dass es nicht wehtun würde
2. es hält so dicht, dass Wundsuppe darin mit lustigen Blasen hin- und herschwimmen kann, wenn man draufdrückt
Und weil man nie wusste, welches Kind wieder wo Haut abraspeln würde, hatte ich Sprühpflaster und ein Kühlpack dabei. Zum Glück. Ich hatte keine Lust mehr auf Blutwurst.
Das antike Zeitmessgerät (Laptimer kann man es wohl nicht mehr nennen) lag unbenutzt auf dem Tisch. Aber neugierig war ich doch. Bernd hilft mir mit dem Veranstaltungscode aus, so dass ich in die Zeitenliste linsen kann.
2:35. Oh. Es hatte sich langsamer angefühlt.
In unserer Box gibt es bereits einen Einpacker. Der Lette hat seine M gecrasht und sieht nicht so aus, als ob er weiterfahren wolle. Daniel und Jacek von gegenüber sind wohl öfter hier. Als ich Daniel frage, erklärt er mir, dass er wohl theoretisch wüsste, wo es rumginge, aber für die richtige Linie wohl zu kreativ sei.
Argh. Wo soll ich mir denn jetzt was abgucken?!? Mir dämmert, dass ich das alleine angehen muss. Seufzend stülpe ich mir den Helm über die Ohren. Klimper, klimper, kneif. Eine Sequenz aus Kurvenausgängen, die zu Kurveneingängen und -geschwindigkeiten passen zeigt mir an, dass ich auf dem Weg bin, endlich eine ordentliche Runde zustande zu bringen. Klimper. Kneif. Und nicht das Atmen vergessen.
Es gab zwei Wege, um schneller zu werden. Auf jede Kurve zuzuhonken, um dann durchzustümpern und dann kurz vor Ende der Strecke doof rechts zu drehen, war nicht meins. Ich bevorzugte Flow. Und das Wissen, am Ende der Kurve definitiv nicht im Kiesbett, sondern in einer gepflegten Beschleunigung zu enden.
2:25. Hoppla. Hm.
Die Zeit reicht leider nicht, um in der Gruppe zu bleiben. Sogar (und das meine ich nicht böse - eine PC40 mit einem schwereren, größeren Menschen hat nur keinerlei Berechtigung schneller zu sein als eine R6) der Irokesenmann ist schneller als ich. Und Klaus sowieso. Was machte ich für blödsinnige Ansagen? Purer Größenwahn...
Bernd nutzte die Mittagspause, um Reifen zu wechseln. Er hatte sogar ein Reifenmontagegerät. Ich sah zu, dass ich es mir mit ihm nicht verdarb.
1. versprich niemandem, dass es nicht wehtun würde
2. es hält so dicht, dass Wundsuppe darin mit lustigen Blasen hin- und herschwimmen kann, wenn man draufdrückt
Und weil man nie wusste, welches Kind wieder wo Haut abraspeln würde, hatte ich Sprühpflaster und ein Kühlpack dabei. Zum Glück. Ich hatte keine Lust mehr auf Blutwurst.
Das antike Zeitmessgerät (Laptimer kann man es wohl nicht mehr nennen) lag unbenutzt auf dem Tisch. Aber neugierig war ich doch. Bernd hilft mir mit dem Veranstaltungscode aus, so dass ich in die Zeitenliste linsen kann.
2:35. Oh. Es hatte sich langsamer angefühlt.
In unserer Box gibt es bereits einen Einpacker. Der Lette hat seine M gecrasht und sieht nicht so aus, als ob er weiterfahren wolle. Daniel und Jacek von gegenüber sind wohl öfter hier. Als ich Daniel frage, erklärt er mir, dass er wohl theoretisch wüsste, wo es rumginge, aber für die richtige Linie wohl zu kreativ sei.
Argh. Wo soll ich mir denn jetzt was abgucken?!? Mir dämmert, dass ich das alleine angehen muss. Seufzend stülpe ich mir den Helm über die Ohren. Klimper, klimper, kneif. Eine Sequenz aus Kurvenausgängen, die zu Kurveneingängen und -geschwindigkeiten passen zeigt mir an, dass ich auf dem Weg bin, endlich eine ordentliche Runde zustande zu bringen. Klimper. Kneif. Und nicht das Atmen vergessen.
Es gab zwei Wege, um schneller zu werden. Auf jede Kurve zuzuhonken, um dann durchzustümpern und dann kurz vor Ende der Strecke doof rechts zu drehen, war nicht meins. Ich bevorzugte Flow. Und das Wissen, am Ende der Kurve definitiv nicht im Kiesbett, sondern in einer gepflegten Beschleunigung zu enden.
2:25. Hoppla. Hm.
Die Zeit reicht leider nicht, um in der Gruppe zu bleiben. Sogar (und das meine ich nicht böse - eine PC40 mit einem schwereren, größeren Menschen hat nur keinerlei Berechtigung schneller zu sein als eine R6) der Irokesenmann ist schneller als ich. Und Klaus sowieso. Was machte ich für blödsinnige Ansagen? Purer Größenwahn...
Bernd nutzte die Mittagspause, um Reifen zu wechseln. Er hatte sogar ein Reifenmontagegerät. Ich sah zu, dass ich es mir mit ihm nicht verdarb.

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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Die Mittagspause ist vorbei. Bernd wärmt erstmal seine Reifen auf. Die Temperaturen waren nach oben gegangen. Wie lange würde dieser MS2, dem mittlerweile alle Tiefenindikatoren abhanden gekommen waren, noch halten? Ich gab mir Mühe, die Sorgenfalten, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten, nicht noch tiefer werden zu lassen. Und dass ich eine Felge mit einem frischen Reifen hatte, verbreitete Erleichterung. Ich hatte mit Bernd verabredet, dass er mir auf die Finger sehen würde, wenn ich diese einbauen wollte. Ich wusste zwar, was man in welche Richtung drehen musste, aber konnte einem >vier-Augen-Prinzip in dieser Angelegenheit massiv Benefits zuschreiben.
Zwischen meinen Ohren wechselten sich intensive Beleidigungen ("du Niete, hast du mal wieder nicht geschafft, auf Performanzkurs zu kommen") mit beschwichtigenden Worten ("alles nicht so schlimm...es gibt genug Zeit") in meinen Gedanken ab. Das Schlimme war, sie hatten alle recht. Ich war fast nie in der Lage an Tag 1 direkt abzuliefern. Vor allem nicht, wenn es sich um eine unbekannte Strecke handelte. Da war dieses Sicherheitsbedürfnis, was ich nicht bremsen konnte. Um ansatzweise schnell sein zu können, musste ich das Gefühl haben, alles im Griff zu haben.
Ich fuhr mittlerweile zum zehnten Mal auf Kurve 1 zu und hatte so gar nichts im Griff. Sicher, der Wind blies heftig von vorn beim Einlenken. Das sorgte naturgemäß für Entschleunigung. Aber das? Hilfesuchend war ich durch Box 22 und 23 gestreift. Stehengeblieben war ich bei Thorsten. Links auf dem Bunten angekommen, so erfuhr ich, ermahnte er sich dazu 21, 22 zu zählen, bevor irgend etwas mit Bremsen passierte.
Määäääääh, Määäääääääääääh, Määäääääääääääääääääääääh, "einund...oh, nein"
Määääääääääääh, Määäääääääääääh, Määäääääääääääääääääääääh, "einundzw...och, nööööö"
Määääääääääh, Määääääääääääääh, Määääääääääääääääääh, "ein.....Shit, Shit, Shit!!!"
Runde um Runde leitete ich den Entschleunigungsprozess viel zu früh ein. Mitunter so früh, dass ich rechts innen am Bunten wieder beschleunigte - kurz nachdem ich den peinlichen Moment verarbeitet hatte.
In dieser Kurve lagen keine Zehntel. Hier lagen Sekunden. Und das Beschleunigen wurde auch immer schwieriger. Der Reifen hatte seine besten Zeiten hinter sich. Viel hatten wir zusammen erlebt, aber ich verstand, dass es an der Zeit war, ihn gehen zu lassen.
Zwischen meinen Ohren wechselten sich intensive Beleidigungen ("du Niete, hast du mal wieder nicht geschafft, auf Performanzkurs zu kommen") mit beschwichtigenden Worten ("alles nicht so schlimm...es gibt genug Zeit") in meinen Gedanken ab. Das Schlimme war, sie hatten alle recht. Ich war fast nie in der Lage an Tag 1 direkt abzuliefern. Vor allem nicht, wenn es sich um eine unbekannte Strecke handelte. Da war dieses Sicherheitsbedürfnis, was ich nicht bremsen konnte. Um ansatzweise schnell sein zu können, musste ich das Gefühl haben, alles im Griff zu haben.
Ich fuhr mittlerweile zum zehnten Mal auf Kurve 1 zu und hatte so gar nichts im Griff. Sicher, der Wind blies heftig von vorn beim Einlenken. Das sorgte naturgemäß für Entschleunigung. Aber das? Hilfesuchend war ich durch Box 22 und 23 gestreift. Stehengeblieben war ich bei Thorsten. Links auf dem Bunten angekommen, so erfuhr ich, ermahnte er sich dazu 21, 22 zu zählen, bevor irgend etwas mit Bremsen passierte.
Määäääääh, Määäääääääääääh, Määäääääääääääääääääääääh, "einund...oh, nein"
Määääääääääääh, Määäääääääääääh, Määäääääääääääääääääääääh, "einundzw...och, nööööö"
Määääääääääh, Määääääääääääääh, Määääääääääääääääääh, "ein.....Shit, Shit, Shit!!!"
Runde um Runde leitete ich den Entschleunigungsprozess viel zu früh ein. Mitunter so früh, dass ich rechts innen am Bunten wieder beschleunigte - kurz nachdem ich den peinlichen Moment verarbeitet hatte.
In dieser Kurve lagen keine Zehntel. Hier lagen Sekunden. Und das Beschleunigen wurde auch immer schwieriger. Der Reifen hatte seine besten Zeiten hinter sich. Viel hatten wir zusammen erlebt, aber ich verstand, dass es an der Zeit war, ihn gehen zu lassen.

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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Turn 5 fällt für mich aus. Ich werde die andere Felge reinstecken. Ich nehme also meinen kleinen Werkzeugkoffer und das angebissene alte DLRG-Schwimmbrett, was niemand mehr braucht. Die pinken Mechanikerinnenhandschuhe hatte ich schon an. Die Daumenspitze machte immer noch Au, aber es kam zum Glück nichts Rotes mehr raus. Ich weiß, dass ich für das Lösen von 100 Nm nur semi-gut ausgerüstet bin. Aber was ich mit meinem eigenen Zeugs bewerkstelligen kann, das will ich auch machen. Komplett durchschnorren würde ich mich nur bei Klaus, der mir bisher immer alles kommentarlos, wenn auch mit einem leicht amüsierten Ausdruck, zur Verfügung gestellt hatte.
Ich sollte mich benehmen wie ein Normalo und die Leute langsam daran gewöhnen, dass ich einen an der Waffel habe, hatte mir Davie-Mavie mal geraten. Bernd schien soweit OK damit, dass das mal wieder nicht geklappt hatte. Ich redete wirr, machte merkwürdige Scherze und beleidigte Leute.
Und ich fluchte. Die neue Felge, auf deren Träger ich stolz das neue 47er Kettenrad geschraubt hatte (selbstverständlich nicht mit meinem eigenen Drehmomentschlüssel) ging zwar in die Schwinge, aber die Achse ging nicht rein.
Bernd versuchte, zu helfen, aber hatte auch Termine mit der Rennstrecke. Daniel von gegenüber kam, um zu sehen, was er tun konnte, war aber auch zum Fahren gekommen. Box 23 schickte einen Ritter mit strahlender, aber zerbeulter Rüstung. Der Kampf heute hatte sein Pferd verletzt, und er humpelte mit schmerzgezeichnetem Gesicht. Aber er war bereit, zu helfen.
Abermals versuchten wir, alles in Position zu bringen. Gewaltimpuls, axial. Nichts half. Erstaunen. Ungläubigkeit. Köpfe, die versuchen, durch Löcher zu sehen. "Die Achse geht nicht durch", "das kann doch nicht sein"
Mittlerweile hat das Spektakel immer mehr Aufmerksamkeit generiert. Man beschließt, die Felge auszubauen und zu prüfen, was es da mit dieser Achse auf sich hat. Und siehe da. Die Hülse. Sie passt nicht.
In Erinnerung an vergangene Erzählungen ("Die Hülse" https://www.racing4fun.de/forum/viewtopic.php?p=442394) wusste ich, wie viel Spaß man mit Hülsen haben kann. Dass ich jemals betroffen sein würde, hätte ich nicht gedacht. Da hatte ich diese Felge viel zu spät für Aragon bekommen, sie nach Oschersleben gefahren (und nicht gebraucht) und jetzt in Brünn (wo ich sie dringend brauchte) festgestellt, dass das Ding nicht passte.
1. Ich beratschlage mit den Menschen um mich herum, was eine Lösung sein könnte. Man vermutet Fertigungstoleranzen. Ich halte die Kombination aus Achse und Hülse immer wieder jemandem vor die Nase und frage nach Schleifmittel.
2. Ich sende ein Foto des Malheurs an den Verkäufer der brandneuen Felge. Ich bekomme eine ähnliche Antwort: Fertigungstoleranzen, Material abtragen.
3. Ich trage ab. Es zeigt sich zügig, dass der Versuch erfolglos bleiben wird.
4. Ich beratschlage Plan B mit Bernd. Er hat ein Reifenmontiergerät. Wenn die Felge nutzlos ist, dann muss der neue MS2 (denn es ist noch nicht heiß genug für den 1er oder den medium-hard-Michelin) auf die alte Felge.
5. Bernd erklärt sich bereit, mir zu helfen. Als die Felge vor ihm liegt, werden seine Augen immer größer "auch noch die guten Ozetten", "da muss ich ja aufpassen, dass ich nichts kaputtmache". Während ich langsam verarbeite, dass da ein relativ teurer Gebrauchsgegenstand vor uns liegt, breitet Bernd ein Leichentuch zwischen seinem Montagedingen und der Felge aus. Er müht sich redlich ab. Irgendwann und mit viel Kraft verbunden, ist der Reifen ab.
6. Halb zusehend, halb helfend hatte ich entschieden, dass es wohl zu viel verlangt war, ihn den neuen Reifen auch noch abziehen zu lassen. Und obwohl er es nicht direkt zugibt, ist er sehr erleichtert, als ich verkünde, dass mein Freund Marcin den Rest der Arbeit erledigen würde.
7. Ich gehe mit der komischen Felge und der alten Felge überm Arm den Weg zum Reifenmann. 15€ für den Wechsel von Felge zu Felge. Das scheint mir ein guter Deal. Bernd hatte ich ein Bier versprochen. Irgendwie würde das falsch laufen, denn er bot ständig mir ein Bier aus seiner 3°C Kühltruhe an. Überhaupt war Bernd ein sehr cooler Geselle. Die Dekadenz der Temperatur seines Schlafgemaches war kaum zu überbieten. Er hatte sich eine Klimaanlage in die Heckklappe gehängt und aalte sich in 20°C, während Schöner Wohnen mit um die 50°C in der Sonne brutzelte. Mein Trost war, dass er auf einem klapprigen Feldbett schließ, während ich fullly comfy Karpfenliege genießen konnte.
8. Den alten MS2, der eigentlich gar nicht so schlecht aussieht halte ich dem Reifenmann vor die Nase. Der beschließt, dass ich den auf seinen Stapel legen soll. Geld will er dafür nicht. Gute alte Reifen nehmen sie für Instruktoren, falls vorhanden. Hier gibt es keine. Er ist trotzdem gnädig mit mir.
9. Ich baue sie ein, die Felge. Und das mit der 47er Übersetzung. Dachte ich. Als ich die Felge in die Schwinge schieben will, macht es "klong". Nochmal. "Klack". Das Ding geht nicht an der Schwinge vorbei mit dem Kettenrad. Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass man mir eine komplette falsche Felgenausrüstung gesendet hat
Das würde noch lustig werden. Ich freute mich auf die Korrespondenz mit dem Verkäufer.
Finde den Fehler...Tip: das im Auto ist die nicht passende Felge. 10. Wer 15/47 fahren will, braucht 15/47. Der Träger der alten Felge hatte noch das 45er Rad. Diese ganze Scheiße wollte ich mir durch den Kauf von Krempel eigentlich sparen. Wie schön. Ich versuche, die Schrauben zu lösen, aber Daniel kommt mit dem Akkuschrauber gesprungen und hilft. Innerhalb fünf Minuten ist das Kettenrad gewechselt.
11. Ich will das Hinterrad einbauen, schaffe das aber aus Kräfteversagen nicht alleine. Für heute reicht es meinen Ärmchen. Ich hatte zwar die Stützbandage für das seit Mugello kaputte linke Handgelenk angezogen, schaffe es aber nicht mehr, das Ding einhändig zu positionieren. Man(n) greift mir unter die Arme, und es mach endlich "Klack".
12. Noch etwa 40 Minuten bis Turn 6. Angst um einen kalten Hinterreifen muss heute Nachmittag niemand haben.
Ich sollte mich benehmen wie ein Normalo und die Leute langsam daran gewöhnen, dass ich einen an der Waffel habe, hatte mir Davie-Mavie mal geraten. Bernd schien soweit OK damit, dass das mal wieder nicht geklappt hatte. Ich redete wirr, machte merkwürdige Scherze und beleidigte Leute.
Und ich fluchte. Die neue Felge, auf deren Träger ich stolz das neue 47er Kettenrad geschraubt hatte (selbstverständlich nicht mit meinem eigenen Drehmomentschlüssel) ging zwar in die Schwinge, aber die Achse ging nicht rein.
Bernd versuchte, zu helfen, aber hatte auch Termine mit der Rennstrecke. Daniel von gegenüber kam, um zu sehen, was er tun konnte, war aber auch zum Fahren gekommen. Box 23 schickte einen Ritter mit strahlender, aber zerbeulter Rüstung. Der Kampf heute hatte sein Pferd verletzt, und er humpelte mit schmerzgezeichnetem Gesicht. Aber er war bereit, zu helfen.
Abermals versuchten wir, alles in Position zu bringen. Gewaltimpuls, axial. Nichts half. Erstaunen. Ungläubigkeit. Köpfe, die versuchen, durch Löcher zu sehen. "Die Achse geht nicht durch", "das kann doch nicht sein"
Mittlerweile hat das Spektakel immer mehr Aufmerksamkeit generiert. Man beschließt, die Felge auszubauen und zu prüfen, was es da mit dieser Achse auf sich hat. Und siehe da. Die Hülse. Sie passt nicht.
In Erinnerung an vergangene Erzählungen ("Die Hülse" https://www.racing4fun.de/forum/viewtopic.php?p=442394) wusste ich, wie viel Spaß man mit Hülsen haben kann. Dass ich jemals betroffen sein würde, hätte ich nicht gedacht. Da hatte ich diese Felge viel zu spät für Aragon bekommen, sie nach Oschersleben gefahren (und nicht gebraucht) und jetzt in Brünn (wo ich sie dringend brauchte) festgestellt, dass das Ding nicht passte.
1. Ich beratschlage mit den Menschen um mich herum, was eine Lösung sein könnte. Man vermutet Fertigungstoleranzen. Ich halte die Kombination aus Achse und Hülse immer wieder jemandem vor die Nase und frage nach Schleifmittel.
2. Ich sende ein Foto des Malheurs an den Verkäufer der brandneuen Felge. Ich bekomme eine ähnliche Antwort: Fertigungstoleranzen, Material abtragen.
3. Ich trage ab. Es zeigt sich zügig, dass der Versuch erfolglos bleiben wird.
4. Ich beratschlage Plan B mit Bernd. Er hat ein Reifenmontiergerät. Wenn die Felge nutzlos ist, dann muss der neue MS2 (denn es ist noch nicht heiß genug für den 1er oder den medium-hard-Michelin) auf die alte Felge.
5. Bernd erklärt sich bereit, mir zu helfen. Als die Felge vor ihm liegt, werden seine Augen immer größer "auch noch die guten Ozetten", "da muss ich ja aufpassen, dass ich nichts kaputtmache". Während ich langsam verarbeite, dass da ein relativ teurer Gebrauchsgegenstand vor uns liegt, breitet Bernd ein Leichentuch zwischen seinem Montagedingen und der Felge aus. Er müht sich redlich ab. Irgendwann und mit viel Kraft verbunden, ist der Reifen ab.
6. Halb zusehend, halb helfend hatte ich entschieden, dass es wohl zu viel verlangt war, ihn den neuen Reifen auch noch abziehen zu lassen. Und obwohl er es nicht direkt zugibt, ist er sehr erleichtert, als ich verkünde, dass mein Freund Marcin den Rest der Arbeit erledigen würde.
7. Ich gehe mit der komischen Felge und der alten Felge überm Arm den Weg zum Reifenmann. 15€ für den Wechsel von Felge zu Felge. Das scheint mir ein guter Deal. Bernd hatte ich ein Bier versprochen. Irgendwie würde das falsch laufen, denn er bot ständig mir ein Bier aus seiner 3°C Kühltruhe an. Überhaupt war Bernd ein sehr cooler Geselle. Die Dekadenz der Temperatur seines Schlafgemaches war kaum zu überbieten. Er hatte sich eine Klimaanlage in die Heckklappe gehängt und aalte sich in 20°C, während Schöner Wohnen mit um die 50°C in der Sonne brutzelte. Mein Trost war, dass er auf einem klapprigen Feldbett schließ, während ich fullly comfy Karpfenliege genießen konnte.
8. Den alten MS2, der eigentlich gar nicht so schlecht aussieht halte ich dem Reifenmann vor die Nase. Der beschließt, dass ich den auf seinen Stapel legen soll. Geld will er dafür nicht. Gute alte Reifen nehmen sie für Instruktoren, falls vorhanden. Hier gibt es keine. Er ist trotzdem gnädig mit mir.
9. Ich baue sie ein, die Felge. Und das mit der 47er Übersetzung. Dachte ich. Als ich die Felge in die Schwinge schieben will, macht es "klong". Nochmal. "Klack". Das Ding geht nicht an der Schwinge vorbei mit dem Kettenrad. Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass man mir eine komplette falsche Felgenausrüstung gesendet hat
Finde den Fehler...Tip: das im Auto ist die nicht passende Felge. 10. Wer 15/47 fahren will, braucht 15/47. Der Träger der alten Felge hatte noch das 45er Rad. Diese ganze Scheiße wollte ich mir durch den Kauf von Krempel eigentlich sparen. Wie schön. Ich versuche, die Schrauben zu lösen, aber Daniel kommt mit dem Akkuschrauber gesprungen und hilft. Innerhalb fünf Minuten ist das Kettenrad gewechselt.
11. Ich will das Hinterrad einbauen, schaffe das aber aus Kräfteversagen nicht alleine. Für heute reicht es meinen Ärmchen. Ich hatte zwar die Stützbandage für das seit Mugello kaputte linke Handgelenk angezogen, schaffe es aber nicht mehr, das Ding einhändig zu positionieren. Man(n) greift mir unter die Arme, und es mach endlich "Klack".
12. Noch etwa 40 Minuten bis Turn 6. Angst um einen kalten Hinterreifen muss heute Nachmittag niemand haben.

Öfter mal die Hände waschen!!!
- campari Offline
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- Lieblingsstrecke: Jerez
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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Und dann auch noch das...ich musste mir einen Partner suchen. Für dieses Enduranzrennen morgen. Als ich zuletzt vor der Wagenburg stand, die den Anhänger enthielt, der nicht mehr meiner sein sollte, wollte ich eigentlich den Irokesenmann dazu bewegen, endlich mal Raum für Performanz zu lassen und sich mit mir als Team zu melden. Aber von dem kam nur Mimimimiiii, Reifen doof, Fahrwerk doof, alles doof. Hm, hier war nichts zu machen. Dann kamen Menschlinge von schräg gegenüber, die Interesse hatten. Und ich stand da und wollte den Vusi dem Henning überlassen. Sollten sie doch ein klassenreines Team aufstellen.
Ich suchte noch nach meinem klassenreinen Team. Die schräg Gegenübers hatten eine Dame mit einer ZX 6R, aber als der eine männliche Mensch etwas von "Frauenpower" sagte, fiel wohl meine Kinnlade zu weit herunter. Die "wir sind Mädchen und auch ganz toll"-Welt ging völlig an mir vorüber. Und man sah mir das offensichtlich an. Ich versprach, dass wir bis zum nächsten Morgen eine Lösung gefunden haben werden.
Was für ein Tag. Ich hatte gefühlte 300x versucht, diese Felge einzubauen. Und dann musste ich mich mit dem Gedanken abfinden, dass das keinen Sinn hatte. Es war hart, final festzustellen, dass etwas keinen Sinn hatte, vor allem, wenn es so viel gekostet hatte. Und während die 2:15, die ich mir selbst angesagt hatte, ein fernes Ziel war, hatte Klaus es schon deutlich unter 2:20 geschafft. Zumindest tat das Sprühpflaster seinen Dienst, und ich musste nicht die ganze Zeit an meinem Daumen nuckeln.
Größenwahn. Was war es sonst, wenn nicht das?
Ich suchte noch nach meinem klassenreinen Team. Die schräg Gegenübers hatten eine Dame mit einer ZX 6R, aber als der eine männliche Mensch etwas von "Frauenpower" sagte, fiel wohl meine Kinnlade zu weit herunter. Die "wir sind Mädchen und auch ganz toll"-Welt ging völlig an mir vorüber. Und man sah mir das offensichtlich an. Ich versprach, dass wir bis zum nächsten Morgen eine Lösung gefunden haben werden.
Was für ein Tag. Ich hatte gefühlte 300x versucht, diese Felge einzubauen. Und dann musste ich mich mit dem Gedanken abfinden, dass das keinen Sinn hatte. Es war hart, final festzustellen, dass etwas keinen Sinn hatte, vor allem, wenn es so viel gekostet hatte. Und während die 2:15, die ich mir selbst angesagt hatte, ein fernes Ziel war, hatte Klaus es schon deutlich unter 2:20 geschafft. Zumindest tat das Sprühpflaster seinen Dienst, und ich musste nicht die ganze Zeit an meinem Daumen nuckeln.
Größenwahn. Was war es sonst, wenn nicht das?

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- campari Offline
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Re: Alleinreisend - Alles anders
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....es war anstrengend. Vor allem für die arme Kassendame im Lidl in 623 00 Brno-Kohoutovice, Czechia. Und dabei war es alles nur gut gemeint.
Mit einem Gemischtwarenladen von Einkaufskrempel inklusive Zeugs für die Kindschaft, was sie bestellt hatte. Und Zeugs, was sie nicht bestellt hatte, war ich entschlossen zur Selbstscankasse gegangen.
"Ich habe 6 Flaschen Wasser in dem Pack, also drück ich mal 6". - Die Kasse monierte das Fehlgewicht auf dem Wiegeplatz und rief die Kassiererin.
"Es passen gar nicht alle Sachen auf die Ablage", stellte ich fest und nahm Zeugs hoch, um es zu stapeln und umzuräumen. - Die Kasse strafte mich mit einem Fehler und rief die Kassiererin.
"Ich suche mal hier das Gebäck aus und stecke es direkt in die Einkaufstasche". - Die Kasse zwang die Kassierin abermals dazu, zu mir zu kommen.
Mittlerweile hatte ich aus Langeweile alles in Tüten gesteckt und vom Wiegeplatz weggeräumt. Sie bemühte sich freundlich zu sein, die Kassiererin, aber ich hatte tatsächlich fast geschafft, Kasse und Kassiererin zum Explodieren zu bringen. Die Transaktion hat bestimmt einen DAU-Alarm in der Lidl Zentrale ausgelöst und die Zeitersparnis durch die Selbstscankassen deutlich infrage gestellt.
Bernd hatte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben wollen, so lange war ich weggewesen. Neben dem Kassenmalheur, was Zeit kostete, musste ich ja auch noch den Lieferservice machen und dem Vusi sein Wasser bringen und der Kindschaft ihr Zeugs.
Was für ein Tag. Zum Glück kühlte Schöner Wohnen ebenso gut ab, wie es sich aufheizte, und ich konnte nach ein wenig Abendkonversation endlich schlafen. Sieben Tage Brünn. Einer war vorbei.
Mit einem Gemischtwarenladen von Einkaufskrempel inklusive Zeugs für die Kindschaft, was sie bestellt hatte. Und Zeugs, was sie nicht bestellt hatte, war ich entschlossen zur Selbstscankasse gegangen.
"Ich habe 6 Flaschen Wasser in dem Pack, also drück ich mal 6". - Die Kasse monierte das Fehlgewicht auf dem Wiegeplatz und rief die Kassiererin.
"Es passen gar nicht alle Sachen auf die Ablage", stellte ich fest und nahm Zeugs hoch, um es zu stapeln und umzuräumen. - Die Kasse strafte mich mit einem Fehler und rief die Kassiererin.
"Ich suche mal hier das Gebäck aus und stecke es direkt in die Einkaufstasche". - Die Kasse zwang die Kassierin abermals dazu, zu mir zu kommen.
Mittlerweile hatte ich aus Langeweile alles in Tüten gesteckt und vom Wiegeplatz weggeräumt. Sie bemühte sich freundlich zu sein, die Kassiererin, aber ich hatte tatsächlich fast geschafft, Kasse und Kassiererin zum Explodieren zu bringen. Die Transaktion hat bestimmt einen DAU-Alarm in der Lidl Zentrale ausgelöst und die Zeitersparnis durch die Selbstscankassen deutlich infrage gestellt.
Bernd hatte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben wollen, so lange war ich weggewesen. Neben dem Kassenmalheur, was Zeit kostete, musste ich ja auch noch den Lieferservice machen und dem Vusi sein Wasser bringen und der Kindschaft ihr Zeugs.
Was für ein Tag. Zum Glück kühlte Schöner Wohnen ebenso gut ab, wie es sich aufheizte, und ich konnte nach ein wenig Abendkonversation endlich schlafen. Sieben Tage Brünn. Einer war vorbei.

Öfter mal die Hände waschen!!!