226km oder Midlifekrise mit 37..

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luxgixxer
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226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon luxgixxer » Mittwoch 25. März 2020, 10:07

Corona, Rennverbot, Ausgangssperre, Homeoffice...irgendwie muss die Zeit umgehen also vertexte ich mal kurz meine 5 letzten Lebensjahre.
Gleich vorneweg, es hat nix mit Moppedfahren zu tun...oder vielleicht doch ein wenig...ist nicht das ganze Leben wie ein Rennen, mit Start, Runden, Stürzen, Angst, Erfolg, Freude, Trauer...?

Also los..

Tap tap tap tap tap, meine Füsse hämmern auf den Asphalt.
Die Knie sind weich wie Pudding, der Puls ist schwerfällig, die Atmung gleicht mehr einem nach Luft schnappen, die Beine sind schwer.
Irgendwo ist irgendwann ne riesige Blase an meinem rechten Fuss geplatzt. Seitdem tut es nur noch um die Hälfte weh beim Auftreten.
Die Beine schmerzen, es ist kein einfacher Schmerz, es ist die Sorte Schmerz die sich ins Gehirn einfrisst, wie ein Messer dort zustösst wo man am verwundbarsten ist, nämlich im Kopf. Ich höre eigentlich rings um mich nix mehr, ich habe schon lange aufgehört aufmerksam um mich zu gucken. Alle 2,5km greife ich nach einem Becher Cola und Eis. Schütte mir das Ganze mechanisch ins Gesicht. Wenn ich Glück habe treffe ich dabei den Mund.
Der Magen hat schon vor Stunden aufgehört zu arbeiten und fühlt sich an wie nach ner durchzechten Nacht im Bierkönig. Zu diesen ganzen miserablen Gefühlen gesellt sich ein ganz besonderes... Ich bin glücklich...ich fühle mich so frei wie noch nie in meinem Leben...ich hebe den Kopf wieder und lasse den Blick über diese grandiose Kulisse der hawaianischen Insel Kona schweifen. Der 40Grad heisse Mumukwind bläst mir ins Gesicht als ins Energylab einbiege und sich mir der Blick aufs Meer eröffnet, in dem sich die erbarmungslose Sonne spiegelt. Ja wir schreiben das Jahr 2017, ich bin beim Ironman auf Hawaii.
Doch wie um alles in der Welt bin ich nur hier hergekommen..?

Wo und wann hat dieser Irrsinn begonnen?
Ich glaube 2013. Ich habe bis dahin meine ganze Freizeit, Liebe und Geld dem Motorradsport geopfert, viel Spass gehabt. Doch irgendwie wurde mir immer mehr bewusst dass selbst mit ein wenig Talent, (welches ich mir doch selber attestiere) nix zu reissen war wenn man nicht mindestens 5stellig jeden Monat verdient. Ich war also mit meinen Mitteln an einem Punkt angelangt an dem ich das mir Mögliche erreicht hatte. Das nächste Level konnte ich aber nicht aus eigener Kraft erreichen. Eins meiner Lebenselixiere besteht aber daraus mich jeden Tag Herausforderungen zu stellen. Also steckte ich irgendwie in einem Dilemma, Langeweile, Krise, Midlifekrise. Normale Männer in meinem Alter kaufen sich dann einen Porsche und hüpfen mit der Sekretärin ins Bett. Der Porsche fiel mangels Kohle schonmal weg und die Sekretärin..naja..etwas zu voluminös zum Ego aufmöbeln..Es musste also was anderes her..

Infizierung:

Ich befand mich gerade in MiamiBeach im Urlaub und schlenderte an der Strandpromenade entlang. 186cm gross 86kg schwer, sportlich (meiner damaligen Meinung nach) :lol: und beobachtete die Silikonimplantate der anwesenden Strandschönheiten.
In der Ferne schien irgendeine Sportveranstaltung zu sein also beschloss ich das Ganze mal aus der Nähe zu betrachten. Als ich näher kam stellte ich fest dass gerade der MiamiBeach Triathlon stattfand. 1200m Schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen. Unglaublich fitte und gutaussehende Menschen liefen oberkörperfrei an der Strandpromenade auf und ab.
Geschliffen ästhetische muskulöse Menschen wo man nur hinblickte. Ich guckte an mir herab...nunja..ich war nicht dick...aber oberkörperfrei würde ich auch jetzt nicht gerade hier rumlaufen...
Was mich als Racer aber noch mehr faszinierte waren ihre Rennmaschinen. Karbonzeitfahrmaschinen vom feinsten. Scheibenräder, elektronische Schaltungen, Aerohelme :shock: :shock: . Ich war sofort infiziert davon. Sowas wollte ich auch haben!! Nein sowas MUSSTE ich auch haben. Die ganze Sache hatte nur einen Haken.. Man kauft sich kein Triathlonrad wenn man kein Triathlon macht...
Ihr merkt schon ,es hatte sich etwas unbemerkt in meinem Gehirn eingepflanzt, noch ganz klein und unbemerkt. Ein Gedanke...winzig, diskret, ruhig. Aber er würde wachsen, langsam und stetig....

.... 8)
Zuletzt geändert von luxgixxer am Mittwoch 25. März 2020, 12:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon Rudi » Mittwoch 25. März 2020, 10:19

War nicht die Geschichte mit den 5 Freunden auch offen ? ;)
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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon choppy » Mittwoch 25. März 2020, 10:45

" Aber er würde wachsen, langsam und stetig...."

kenn ich von mir, aber da isses der Bauch :oops:

looos mach weiter , schreib du Sau :D
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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon Henning #17 » Mittwoch 25. März 2020, 11:04

luxgixxer hat geschrieben:Normale Männer in meinem Alter kaufen sich dann einen Porsche und hüpfen mit der Sekretärin ins Bett. Der Porsche fiel mangels Kohle schonmal weg und die Sekretärin..naja..etwas zu voluminös zum Ego aufmöbeln..Es musste also was anderes her..


.... 8)


Ihr habt Sekretärinnen bei der Lëtzebuerger Arméi? :shock:
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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon luxgixxer » Mittwoch 25. März 2020, 12:13

Wieder zuhause liessen mich die Bilder der Helden dieser Sportart nicht mehr los.
Wie Poseidon kamen sie aus der Meeresbrandung nach dem Schwimmen an den Strand gelaufen,schwangen sich in sekundenschnelle auf ihre Karbonräder und verschwanden. Beim Laufen applaudierte man ihnen wie römischen Gladiatoren...

Ich hatte null Plan von Training, Fahrrädern, Schwimmen. Gleiche Vorraussetzungen wie beim Moppedfahren vor 20 Jahren also 8) .
Ich klickte mich also durchs Ebay (ja zu der Zeit konnte man auf Ebay noch Sachen ersteigern...). Ohne Ahnung von Technik, Rahmengrössen usw suchte ich mir ein gebrauchtes Zeitfahrrad nach dem mir am wichtigsten erscheinenden Merkmal aus: dem Aussehen !
Schnell und gefährlich sollte es aussehen.
Gefunden hatte ich es ein paar Klicks später, und bevor ich meine Zeit noch mit unnützen Ratschlägen von Profis vergeudete, klick 3,2,1, meins! Mein erstes Tiathlonrad war gekauft.

Den Rest sah ich eigentlich als Formalität an.
Laufen kann jeder, Radfahren auch und Schwimmen hatte ich doch auch irgendwann vor 30 Jahren gelernt.
Pulsuhren sah ich damals als unnötiges Posergehabe an, genauso sonstiger Firlefanz wie Pullbuey zum Schwimmen oder einteilige Aerorennanzüge.

Ziel war es 2014 beim Ironman 70.3 in Luxemburg zu starten. Das Ganze sollte schon etwas Flair haben 8) .
Ironman 70.3 für die die es nicht wissen. Es handelt sich hierbei um einen halben Ironman, also 70,3 Meilen. Das heisst in diesem Fall 1,9km Schwimmen in der Mosel, 90km Radfahren ohne Windschatten und 21km Laufen.
Da das Schwimmen meine grösste Unbekannte war beschloss ich mal ins Schwimmbad zu gehen und 1900m zu schwimmen. Ist klar, jemand der nen Marathon macht geht auch einfach mal am ersten Tag 42km laufen zum gucken obs passt :lol: .

Ich hatte mich natürlich vorher schlau gemacht wie lange so ein Amateur für 1,9km in der Mosel im Vorjahr gebraucht hat.
22-24min um vorne mitzuschwimmen, über 30min war man eher schon im Mittelfeld.
Also Badehose an, Schwimmbrille auf und los. Ist ja ganz easy 1900/50= 38 Längen schwimmen..
Nach 4 Längen hatte ich mich verzählt, nach 6 Längen war ich am Ende meiner Kräfte und ich musste auf den Schwimmstil "sterbender Hund" umstellen :lol: .
Irgendwie habe ich es dann doch geschafft meine 38 Längen zu schwimmen (waren mit verzählen bestimmt nur 30 aber egal). Ich guckte auf die Uhr: 27 Minuten!!! Ha, ich bin ein Triathlongott! Die würden sich alle noch warm anziehen müssen. 8) 8) . Ich hielt mich am Beckenrand fest und versuchte wieder zu Kräften zu kommen.
Mein Blick schweifte übers Becken... irgendwas war komisch...das Becken sah so klein aus...50m??..Niemals.
Nachdem ich mich mit zittrigen Armen aus dem Becken gehievt hatte fragte ich den Bademeister wie lange das Schwimmbecken sei. Die Antwort liess meinen Atem stocken..! 25 METER! ...Ihr erinnert euch? 38 wohlwollend gutgemeinte Längen war ich geschwommen.. Also quasi nur die Hälfte von 1900m! 27min x 2 =....mir wurde nun doch etwas schlecht :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: . Hmm so einfach würde das dann wohl doch nicht werden :alright: ..

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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon Soundwave » Mittwoch 25. März 2020, 13:26

Herrlich!! Sehr gut geschrieben!
Von mir aus kannst du dein ganzes Leben hier verfassen. Es hellt diese triste Zeit doch sehr auf und bringt gute Laune!
Bitte mehr davon!

Und das Forum wartet auch noch auf die Fortsetzung der 5 Freunde!! :D
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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon stefan233 » Mittwoch 25. März 2020, 15:16

lux.... du bist so geil ;-))))

1900 m in 27 Minuten !!!! Respekt ;-)))

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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon Rudi » Mittwoch 25. März 2020, 15:18

950m ;)
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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon luxgixxer » Mittwoch 25. März 2020, 15:48

Der Wecker klingelte morgens und ich wollte mich mit einem Ruck aus dem Bett schwingen. Wie ein Blitz durchfuhr es mich! Ich fiel wieder auf die Decke. Schmerzen, unendliche Schmerzen! Am ganzen Körper! Meine Schwimmeinheit vom Vortag hatte mir einen Ganzkörpermuskelkater vom feinsten beschert.

Also nochmal von vorne, auf die Seite in Fötus Stellung rollen, Beine auf den Boden und gaaanz langsam aufrichten. Gefühltes Alter…94.
Ich schleppte mich ins Badezimmer und guckte in den Spiegel. Gott sei Dank! Es guckte mir immer noch ein verschlafener Ende Dreißiger entgegen.

Dabei hatte ich doch heute vor mein neues Zeitfahrrad zu probieren und mal zu testen wie schnell man 90km fahren kann. Wie ihr seht blieb meine Trainingsphilosophie die gleiche wie beim Schwimmen.
Zu meinem Zeitfahrrad. Aussehen kommt vor Funktion, Komfort, Sinnhaftigkeit, eigentlich vor Allem.
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So hatte ich die Geometrie nach Augenmaß also auch so eingestellt, dass das Fahrrad schnell aussieht. Was in diesem Fall also heißt, Sattel hoch Lenker runter. Was aber auch heißt, dass man den Körper eines 16jährigen Gummimenschen haben muss um überhaupt auf dem Rad sitzen zu können.
Ohne mir dieser Sachen bewusst zu sein füllte ich meine Trinkflasche, setzte die Sonnenbrille auf (Aussehen geht vor, Helm ist was fürs Moped fahren und nicht fürs Fahrrad) und schwang mich in den Sattel. Nun ja schwingen war nicht so ganz durch meinen Ganzkörpermuskelkater, eher so ein behäbiges aufsteigen. Ich pedalierte los. Eine Sache fiel mir sofort auf. Ich konnte nicht weiter als 1m nach vorne schauen, weiter bekam ich den Kopf und das Genick nicht gebogen. Der Lenker war tief, sehr tief, so als ob ich mit den Händen an die Radnaben greifen müsste.. Und das nicht mal in Aeroposition, also mit den Ellbogen auf dem Lenker.. Ein treten in die Pedale schien mir quasi unmöglich. Lag auch daran dass die Oberschenkel irgendwie immer an den Bauch stießen.. Wo kam eigentlich dieser Wölbung im Trikot her?? Das hat bei den Kerlen in Miami irgendwie anders ausgesehen..??
Um keinen Unfall zu riskieren, und weil mein Rücken und Genick inzwischen rasend schmerzten beschloss ich nach 5km wieder umzudrehen und nach Hause zu fahren. Vor der Tür angekommen kam es dann wie es kommen musste. Um die wunderbaren Karbonfelgen zu schonen wollte ich das Vorderrad lupfen um auf den Bürgersteig raufzufahren. Leider landetet das Vorderrad aber genau vor der Bürgersteigkante und ich stand mit einem Male abrupt. Die Kombination aus Geschwindigkeit = 0 und Klickpedalen, getoppt von einem eh schon verzweifelten schmerzgeplagten Körper, konnte nur zu einem Resultat führen… ja genau, im Stehen umgefallen, die Schmach eines jeden Radfahrers. Fluchend stand ich wieder auf. Tag zwei der Mission Ironman, und es wurde schlimmer und schlimmer…

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Re: 226km oder Midlifekrise mit 37..

Beitragvon onkel tom » Mittwoch 25. März 2020, 16:02

:lol: :lol: :lol:

sensationell ...
Ich hab keine Ahnung...aber das Rad sieht geil und brutal aus.. wohl wahr. :)

bitte weiter so.. die Woche ist gerettet.. :)

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