SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Der Bereich für Eure Projekte, Um- und Aufbauten. Auch Tips und Tricks zu Feinheiten, aber keine Standardthemen wie: so wechselte ich die Bremsbeläge.

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Elle
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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Elle » Freitag 8. Januar 2021, 22:05

Knubbler hat geschrieben:Sicher kann man sich über Details streiten, das Thema der Schmierung ist so komplex, dass man darüber mehr als nur ein Buch schreiben könnte.


Auf jeden Fall! Aber es existiert hierzu Standartliteratur. Die sollte man gelesen haben.

Knubbler hat geschrieben:Man muss sich aber bewusst sein, dass Öldruck ein Transportmittel ist und nicht die Basis der Funktion von Gleitlagern.

Das verstehe ich nicht. Bitte erläutere mir das mal näher. Ich dachte immer, das ein Druckgefälle Volumenstrom erzeugt.
Natürlich im Rahmen einer inkompressiblen Theorie. Real ist es noch vertzwickter -> dT, dc, dp führen zu Ausgleichsvorgängen.

Knubbler hat geschrieben:Der Druck ist dazu da, das Öl in den Spalt zu bekommen und die Welle schwimmt auf dem Ölfilm. Bei höherer Drehzahl, braucht es mehr Druck um das Öl ins Lager zu bekommen, deswegen steigt der Druck.

s.o. Standartliteratur! Selbst für dynamisch beanspruchte hydrodynamische Gleitlager ist das so nicht korrekt bzw. unvollständig.
Weswegen steigt wo welcher Druck? Kannst Du mir das bitte erläutern?
Knubbler hat geschrieben:
Zu hoher Öldruck ist allerdings nichts, womit man sich einen Gefallen tut, denn der kann dann tatsächlich Druck in Gleitlager bringen und diese schädigen.

Zu klären ist dann, was den zu hohen Öldruck verursacht hat.Insbesondere braucht die Ölpumpe aber auch Antriebsleistung! P=delta_p*dV/dt. Wie man das konstruktiv ausnutzt, kann man insbesondere bei Suzuki sehr schön sehen.

Knubbler hat geschrieben:Sehr interessantes Thema finde ich.


Finde ich auch.
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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Knubbler » Freitag 8. Januar 2021, 23:29

Ich versuchs mal zuerst auf die nette Tour. Wir sind doch schon alle groß, nicht wahr?

Ich habe Deine unangemessenen Nachrichten ala "in welchem Semester bist Du eigentlich?" jetzt schon öfters höflich ignoriert. Mit dem Ergebnis, dass ich ständig auf Dich angesprochen werde oder sogar Nachrichten bekomme. Hier mal zwei alleine letzten Monat:

Screenshot 1: Messenger mit Person 1

Screenshot 2: Messenger mit Person 2

Auch dieses Mal habe ich von Deinem Post erfahren, bevor ich überhaupt ins Forum geschaut habe. Das geht mir jetzt langsam zu weit. Sei doch bitte so nett und halte Dich ab jetzt aus meinem Thread heraus. Danke.

Edit: Screenshots wegen anstößiger Wortwahl des Senders entfernt
Zuletzt geändert von Knubbler am Dienstag 19. Januar 2021, 23:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Lutze » Samstag 9. Januar 2021, 11:08

Knubbler hat geschrieben:Auch dieses Mal habe ich von Deinem Post erfahren, bevor ich überhaupt ins Forum geschaut habe. Das geht mir jetzt langsam zu weit. Sei doch bitte so nett und halte Dich ab jetzt aus meinem Thread heraus. Danke.

Wieso meinst du einem Forenmitglied das Wort verbieten zu können? Das du mit kritischen Fragen Probleme hast ist ja nicht das erste mal. Von daher solltest du diesen Thread am besten mit deinen WhatsApp Jüngern auf eben dieser Plattform weiter führen. Da ist dir dann der Beifall garantiert den du scheinbar suchst.
Es besteht ja durchaus die Möglichkeit das der Elle ein wenig mehr weiß als du, von daher höre ich auch gern seine Meinung.
Erfahrung ist eine gute Sache.Leider macht man sie erst kurz nachdem man sie gebraucht hätte!

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Knubbler » Samstag 9. Januar 2021, 13:53

Knubbler hat geschrieben:Finde es gut, dass es hier so viele Leute gibt, die was besser wissen als ich


Da trügt Dich Dein Eindruck aber, das habe ich nur eine Seite zuvor geschrieben :wink:

Es geht hierbei nicht ums Fachliche, sondern um die Art.
Ich bin beinahe täglich umringt von unzähligen Doktoren/Professoren der Physik oder Maschinenbau. Und diese wissenschaftliche Umgebung nutze ich auch gerne um mir kleines Licht etwas erklären zu lassen. Das machen die mit einer großen Freude und sind gleichzeitig absolut geerdete Menschen.
Das war eine höfliche Bitte meinen Thread mit dieser Art, die hier sehr viele Leute stört, nicht mehr zu behelligen. Ich denke das ist durchaus erlaubt darum zu bitten.


Dann mal wieder zurück zum Tagesgeschehen.
Der Block ist jetzt soweit wieder aufgearbeitet und steht wieder auf eigenen Beinen.
Der wird jetzt Stück für Stück wieder zusammen gesetzt und dann steht ein Testlauf an. Wenn alles wieder in Ordnung ist, dann darf er bald zu seinem neuen Besitzer und führt hoffentlich ein langes und glückliches Leben. :D

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon saflo » Samstag 9. Januar 2021, 17:16

Mahlzeit!
Zu dem Thema Nockenwelle-Schmierung-Kaltstart wollte ich auch mal was loswerden.
Als wir in seligen Golf I Zeiten versuchten mittels Schrick-Nockenwelle und Doppelgaser die
200 km/h zu knacken, stand in den Einbauanweisungen der Nockenwelle immer am Ende in
fett gedruckt, das man die Nocken mit mitgeliefertem Spezialöl zu benetzen, und nach dem
Erststart sofort erhöhte Drehzahl zu halten hatte: 1 min mit 1500 U/min, 2 min bei 3000 - oder so ähnlich.
Als weiteren Hinweis, dass eine erhöhte Drehzahl nach Kaltstart nicht falsch ist, kann man einen Defekt
zählen, der öfter an ZRX 1200 aufgetreten ist: Pitting an den ansteigenden Flanken der Nocken, auch bei
geringen Laufleistungen der Motoren. Zur Vermeidung diese Schadenswurde genannt: Aufsteigen und losfahren!!!
Das hat wohl mit den punktuell höheren Drücken an der Nockenflanke bei niedrigen Drehzahlen zu tun, verbunden
mit noch nicht im Zylinderkopf angekommenen Motoröl zu tun.

Ich bin kein studierter Motorenkenner, sondern nur Mechaniker - also habt Nachsicht mit mir :axed:

Ansonsten ist dieser Beitrag für mich der Hammer, ich kann geschrienes oft einfach nur so hinnehmen,
wenn auch technisch interessiert - zumal als Kringelneuling auf einer alten noch sehr seriennahen Knubbel!

Grüße - Stefan

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Elle » Samstag 9. Januar 2021, 22:38

Knubbler hat geschrieben:Ich versuchs mal zuerst auf die nette Tour. Wir sind doch schon alle groß, nicht wahr?

Ich habe Deine unangemessenen Nachrichten ala "in welchem Semester bist Du eigentlich?" jetzt schon öfters höflich ignoriert. Mit dem Ergebnis, dass ich ständig auf Dich angesprochen werde oder sogar Nachrichten bekomme. Hier mal zwei alleine letzten Monat:



Was ist unangemessen daran, Fragen zu stellen? Insbesondere dann, wenn fachliche Dinge unvollständig oder sogar falsch dargestellt werden? Das ist Doch nichts Persöhnliches. Insbesondere habe ich gefragt, in welchem Semester Du bist. Was soll daran böse / schlecht / abwertend sein?

War es dann auch unangemessen, als ich Dir Screenshots aus I2Pro (Motec) frei zu Deiner privaten Verwendung aus der Entwicklung in Sachen Showerdüsen (und deren Auswirkungen auf den gesamten Antriebsstrang) aus freien Stücken (und weil ich gut finde was Du machst) zur Verfügung gestellt habe? Hast Du das Deinen WhatsApp Kontakten auch schon mitgeteilt?

Bitte nicht falsch verstehen -- nochmals.

Mir wurde mal eingebläut, das wenn man sich für einen Beruf in der Technik entscheidet, man sich dazu entscheidet, solange dazuzulernen, bis der schwarze B1000 kommt.

In diesem Sinne sind wir alle Lehrlinge.

Weiterhin viel Erfolg.
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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Knubbler » Samstag 9. Januar 2021, 22:44

saflo hat geschrieben:Mahlzeit!
Zu dem Thema Nockenwelle-Schmierung-Kaltstart wollte ich auch mal was loswerden.
Als wir in seligen Golf I Zeiten versuchten mittels Schrick-Nockenwelle und Doppelgaser die
200 km/h zu knacken, stand in den Einbauanweisungen der Nockenwelle immer am Ende in
fett gedruckt, das man die Nocken mit mitgeliefertem Spezialöl zu benetzen, und nach dem
Erststart sofort erhöhte Drehzahl zu halten hatte: 1 min mit 1500 U/min, 2 min bei 3000 - oder so ähnlich.
Als weiteren Hinweis, dass eine erhöhte Drehzahl nach Kaltstart nicht falsch ist, kann man einen Defekt
zählen, der öfter an ZRX 1200 aufgetreten ist: Pitting an den ansteigenden Flanken der Nocken, auch bei
geringen Laufleistungen der Motoren. Zur Vermeidung diese Schadenswurde genannt: Aufsteigen und losfahren!!!
Das hat wohl mit den punktuell höheren Drücken an der Nockenflanke bei niedrigen Drehzahlen zu tun, verbunden
mit noch nicht im Zylinderkopf angekommenen Motoröl zu tun.

Ich bin kein studierter Motorenkenner, sondern nur Mechaniker - also habt Nachsicht mit mir :axed:

Ansonsten ist dieser Beitrag für mich der Hammer, ich kann geschrienes oft einfach nur so hinnehmen,
wenn auch technisch interessiert - zumal als Kringelneuling auf einer alten noch sehr seriennahen Knubbel!

Grüße - Stefan


Hallo Stefan,
Danke für den Beitrag, finde ich sehr interessant. Bei Suzuki steht im offiziellen WHB auch, dass man solche Stellen bei einem revidierten Motor unbedingt mit MoS2 (enthalten zb in Langzeitfett) Öl Gemisch einstreichen soll. Bei vielen Köpfen findet man auch Öl Taschen, die man schön voll laufen lassen kann, um die Zeit zu überbrücken. Macht also durchaus Sinn.

Hier noch der Abschluss zum gebrochenen Gehäuse. Der Motor ist soweit wieder komplett :D

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Er hat jetzt wieder den rechten Deckel der Vergaser SV bekommen, denn da kommt man an die Kupplung, ohne das Kühlwasser abzulassen. Außerdem hat ein diesen hübschen CNC Alu Deckel spendiert bekommen. Ist höher um Anti Hopping Kupplung fahren zu können und hat extra Gewinde für einen Motor Schützer. Hat zwar ein Konkurrenz Fahrer gefertigt, aber ich bin der Meinung, dass gute Arbeit gewürdigt gehört. Wenn jemand daran Interesse hat, gerne melden und dann gebe ich den Kontakt weiter.

Die Yamaha Kurbelwelle ist heute auch vom Wuchten wieder gekommen. Hauptsächlich wurde Material auf der Hubzapfen Seite abgenommen und etwas seitlich. Ich muss aber zugeben, dass ich erwartet habe es würde mehr Material weg kommen, denn die oszillierenden Massen sind doch eine ganze Ecke höher als normal. Man weiß natürlich nicht wie Yamaha das original gewuchtet hat. Es kann durchaus sein, dass sie einen anderen Wuchtfaktor gewählt haben, um die Überlagerung der 1. und 2. Ordnung zugunsten eines höheren Fahrer Komfort zu optimieren. Ist ja original nicht gerade die Rennmaschine vorm Herrn :wink:

Bild

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Knubbler » Mittwoch 3. Februar 2021, 14:15

Seid gegrüßt liebe Sprit-zu-Spaß Umwandler,
ich hab mal wieder einen kleinen Bericht vorbereitet zu meinem aktuellen Lieblingsthema, der Strömung im Motor.
Auch wenn ich da noch viel zu lernen habe auf dem Gebiet, bis ich das Verständnis erreiche, wie ich es gerne hätte. Aber ich möchte Euch trotzdem auf einen kleinen Einblick einladen.
Die Geschichte beginnt wie es wohl heutzutage viele tun, Google und Ebay lesen die Gedanken bevor man sie gedacht hat. Und zack, ist da ein Angebot auf dem Bildschirm. Ok ok, es ist wohl kein Geheimnis, dass der 650er Kawa Motor mein Liebling der kleinen Twins ist. In diesem Fall geht es um Kibblewhite Black Diamond 1mm+ Einlass Ventile und das zum Restposten Preis. Ich weiß, da hätte keiner Nein sagen können :mrgreen:

Bild (Beispielbild)

Das 1mm Übermaß bei der Kawa sind dann 34,4mm, zum Vergleich die SV hat gerade mal 31mm(+23% Fläche) und dort es gibt keinen Platz für größere Ventile (Ventilüberschneidung zu knapp). Ohne eine konkrete Anwendung für einen echten Motor hat mich meine Neugierde zum Kauf bewogen. Denn die Ventile setzen genau da an, wo ich zuletzt aufgehört habe ( KLICK "Serienköpfe Vergleich )
Das Ergebnis war, dass der Kawa Kopf eigentlich den größten Kanal Querschnitt hat und trotzdem den schlechtesten Durchfluss. Dem wollte ich jetzt schlussendlich auf den Grund gehen, denn an MT und SV habe ich mich ja bereits vergriffen :D
Zuerst einmal die Bestandsaufnahme. Da ich schon einmal an einem Kawa Kopf gearbeitet habe, hatte ich auch Abgüsse der Kanäle und kannte somit den Verlauf (Diagramm kommt gleich). Somit wusste ich also auch wo "es hakt", aber nicht wie weit ich gehen konnte. Also kurzerhand den mechanischen Röntgen Apparat angeworfen.

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Die durchtrennten Sitze und Führungen hatten dann natürlich keinen Halt mehr und wurden eingeklebt. So entstand ein Kopf zum Bearbeiten und zwei halbe Anschauungsobjekte. Eines habe ich dem Spender des Kopfes als Dankeschön geschickt und am verbleibenden kann ich mich jetzt erfreuen. Sieht schön aus und ich kann die Wandstärken vorher messen. Auch konnte man so direkt die mögliche Überschneidung mit den größeren Ventilen testen, die immer noch mehr als ausreichend ist.

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Da ich schon ein paar Kanäle analysiert habe und aufgrund der Arbeit, die ich über die Strömung im Einlass geschrieben habe, kann ich bereits einige Merkmale von "guten Kanälen" benennen, die mir bei diesem Kawa Kanal gänzlich gefehlt haben. Ihr könnt ihn Euch wie einen Gartenschlauch vorstellen vom Querschnitt, von vorne bis hinten gleich, nicht schön.
Also ein Konzept zurechtgelegt und den großen Fräser angelegt.

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Millimeter für Millimeter wuchs der Eingang in den Kopf und dann ist es auch schon passiert, Durchbruch. Das könnte das Zylinder synchronisieren schnell zu einer schwierigen Aufgabe machen :mrgreen:
Da es kein echter Motor ist, aber nicht tragisch, ein bisschen Kleber und alles ist gut für den Test. Könnte man wohl auch Fahren damit, die 800mbar Unterdruck schieben den Stopsel nicht durch das kleine Loch, aber man würde wohl eher Aufschweißen.
Die großen Ventile brauchten natürlich auch entsprechend Platz, denn einfach in die Serie einzubauen bringt so viel wie Shell Vpower in einen Trabbi zu tanken, nüscht. Also die Sitzringe entsprechend auf gespindelt, hier rechts im Bild, links ist schon bearbeitet. Auch das geht nur mit diesem Test Kopf, in echt müsste man größere Sitzringe anfertigen. Hier reicht allerdings Aufspindeln und die Dichtfläche nach Außen zu setzen.

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Den mittleren Teil vom Kanal, also wo er sich teilt bis hin zu den Führungen, habe ich nicht sofort bearbeitet. Denn da lässt sich schwierig rein messen und ich wollte zuerst wissen wo ich überhaupt stehe. Also einen Zwischen-Abguss gemacht. Rechts ist noch die Serie und man sieht optisch schon einen kleinen Unterschied :wink:

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Dann konnte ich mir endlich die Details überlegen und den Kanal zu Ende bringen. Ich habe mich entschieden aus der Mitte vom Kanal nur ganz wenig Material raus zu nehmen. Da wird sich jetzt manch einer denken, wieso große Ventile und riesen Eingang, wenn dann doch das dazwischen klein bleibt?
Wie ich schon mal sagte, groß kann jeder und groß ist nicht immer gut, auf den Verlauf kommt es an. Ich will ja nicht skalieren, sondern ändern. Die Qualität der Strömung soll erhöht werden, also was geht durch welche Fläche hindurch, der Koeffizient des Kanals.
Hier nochmal der fertige Vergleich zur Serie. Man erkennt auch ohne Messschieber einen Unterschied, würde ich sagen.

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Und hier kommen die Zahlen dazu. Die graue Gerade ist der besagte Gartenschlauch Verlauf der Serie. Habe ich so noch nirgends gesehen oder davon gehört, was der Sinn davon sein sollte, aber offensichtlich spricht der Durchfluss gegen so eine Auslegung. Die Strömung ist sowieso turbulent im Einlass und die Grenzschichtdicke an der Wand wächst mit der Länge des Kanals, es wird also einfach nur ein erhöhter Widerstand erzeugt ohne aerodynamische Vorteile. Was man auch daran sieht, dass der Serienkanal größer ist als von der SV und trotzdem deutlich weniger Durchfluss hat.
Mein neuer Kanal ist aufgebaut wie eine Venturi Düse, das Gas wird zuerst beschleunigt bis zur engsten Stelle, die nur 5% größer ist als die Serie. Dann kommt die Expansionszone, in der Strömung zwar langsamer wird, aber einen großen Teil der Geschwindigkeit behält. Schließlich kommt der Sitzring und das Ventil, wo es wieder etwas enger wird, dadurch wird das Gas erneut beschleunigt und so ist es auch einfach es am Ventil umzulenken. Ob das so funktioniert, wird später noch überprüft.

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Dann blieb noch der Brennraum übrig, der fast nur gesäubert wurde. Jedoch der Bereich um die Venile wurde bearbeitet, da der vorallem bei geringem Ventilhub Einfluss hat. Bevor es an den Flow Bench Test ging, brauchte der Kopf allerdings noch einen schönen Einlass. Die Kante selbst würde starke Verwirbelungen ergeben und den Durchfluss deutlich drosseln. Also schnell ein CAD Modell gemacht und an der Stelle ein herzliches Danke an den Martin, der es innerhalb von nur einer Stunde gedruckt und mir beim Sitzring spindeln geholfen hat! Somit konnte getestet werden.

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Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Der Mittelteil vom Kanal und das Ventil sind jeweils nur ~6% in der Fläche gewachsen, der gesamte Durchfluss durch den Einlass ist jetzt aber um stattliche 35% angestiegen im Maximum :D
Laut amerikanischen Flow Tabellen wäre das ein Durchfluss für weit über 120PS aus dem original 70PS Köpfchen, jedoch gebe ich da nicht so viel drauf. Potenzial heißt noch lange nicht, dass es auch abgerufen wird von der jeweiligen Peripherie. Gute Laufschuhe machen noch keinen Usain Bolt aus einem :assshaking:
Um das auszunutzen, müsste man sich schon ziemlich anstrengen, aber ich würde behaupten, dass ich mit meinen Mitteln bis zu 12mm Hub ausnutzen könnte. Da müsste aber eine entsprechende Anwendung dahinter sein, ein Isle of Man TT Motor wäre toll, wenn man in der jetzigen Zeit noch Träume haben darf..

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Dann ging es an die Überprüfung des Ganzen und darum für mich neue Erkenntnisse zu gewinnen. Aber wie überprüft man die Geschwindigkeit von Strömung? Einen Ventilator kann man in den Kanal wohl schlecht rein halten... Aber man kann sich die Gesetze von Bernoulli zunutze machen. Was bekannt ist, der Massenstrom im Kanal pro Zeit ist konstant, was reingeht, das geht auch wieder raus. Und genau das messe ich ja mit der Flow Bench, was geht da durch.
Wenn Luft in eine Verengung strömt, denkt man zuerst die Dichte würde steigen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Kann man sich verdeutlichen, wenn man an eine bestimmte Anzahl Moleküle denkt, die in einem Dicken Rohr langsam strömen und die dann in ein enges Teilstück kommen. Der Massenstrom bleibt gleich, also die Anzahl der Moleküle, die werden nur schneller und liegen weiter auseinander, die Dichte sinkt also im Verhältnis zur Geschwindigkeit und das kann man messen mit dem statischen Druck an dem Punkt.
Deshalb habe ich ein dünnes Rohr um 90 Grad gebogen (nicht 180, das wäre dann eine dynamische Staudruck-Messung) um den statischen Druck in Abschnitten vom Kanal zu messen und in Geschwindigkeit umzurechnen.
Sinkt der Druck, dann steigt die blaue Wassersäule an (1bar sind 10m Wasserhöhe) und ich weiß, die Strömung wird schneller. Dieses "Rumstochern" in Kanälen ist äußerst aufschlussreich, denn man kann die Strömung damit quasi abtasten. So sieht man welchen Weg die Strömung nimmt und kann auch tote Stellen im Kanal finden, wo fast keine Strömung ist. Man kann also was an einem Kanal ändern und direkt die Auswirkung "sichtbar" machen.

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Mit Markierungen auf dem Rohr habe ich den Kanal dann abgefahren, um das Strömungsprofil zu erhalten. Als ich die Geschwindigkeit dann zum ersten Mal sichtbar gemacht habe war ich sehr erfreut, denn sie entspricht (logischerweise) ziemlich genau dem vorher gemessenen Größenverlauf vom Kanal, nur umgedreht. Sieht so aus als wäre mein Plan aufgegangen :D
Aber es ist noch zu früh um abschließende Schlüsse zu ziehen. Ich muss noch weiter testen, vergleichen und einige Vorgänge nachlesen.

Bild

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf ein besonderes Diagramm eingehen. Das ist eine echte Messung aus Amerika von Druck und Strömung im Zylinderkopf während dem Betrieb. Es wurde ein sehr sportlicher Saugmotor auf den Motorenprüfstand gesetzt und live vermessen an der Drehzahl vom höchsten Drehmoment (nicht Leistung). Ich habe mir dieses Diagramm mal zum besseren Verständnis nach gezeichnet und von feetHgInch per moondistance² in für mich verständliche metrische Einheiten übersetzt. Für mich war das äußerst interessant das nachzuvollziehen.

Bild

Auf der X Achse befindet sich die Kurbelwellen/Kolbenposition. Auf der rechten Y Achse sieht man den Ventilhub der schwarzen Nockenkurve. Alle anderen Kurven befinden sich auf der linken Y Achse, da wäre in blau die Geschwindigkeit gemessen im Kanal selbst und in orange die Geschwindigkeit am Sitzring/Ventil, beides in Meter pro Sekunde. Die grüne Linie stellt den (Unter-)Druck im Brennraum dar, deshalb die negativen Zahlen, gemessen in Millibar.
Man muss bedenken, direkt vor dem Einlass Takt kommt der Auslass ab 180°KW (per Definition zumindest). Links beginnend ist die Strömung im Einlass erstmal bei 0, das leuchtet ein. Aber dann wird es erstmal paradox bei 300°, der Kolben ist noch am Ausstoßen und der Druck sinkt unter Null und erreicht vor OT sein Allzeit Minimum, wie kann das sein? Man möchte doch meinen dieser Punkt wird im Brennraum erst beim Ansaugen erreicht? Aber nein, hier sieht man ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel von Ventilüberschneidung und dem Auspuff. Denn der ist es, der einen Sog erzeugt (je nachdem wie gut er ist) und vor OT schon den Brennraum von Altgas befreit.
Wenn man jetzt die Linien verfolgt sieht man, die Strömungen steigen an und das Ventil ist schon etwas offen vor OT, die Ventilüberschneidung beginnt. Die Strömung am Sitz ist hoch, denn das Ventil ist nur wenig offen, aber was hier passiert ist sehr wichtig für Leistungsmotoren. Obwohl der Kolben gerade mal in OT angekommen ist und selbst noch nicht gesaugt hat, wurde die Strömung im Einlass schon auf ein Drittel ihrem max. Geschwindigkeit angefacht. Man sieht also, dass ohne guten Auspuff viel Überschneidung schon mal nicht so viel bringt.
Ab 390° nimmt dann der Kolben richtig Fahrt auf und beschleunigt die Strömung dann im Kanal auf Mach 0.4 und am Sitzring etwas weniger. So sieht es in meinem Kawa Kanal jetzt auch aus, wenn man die Spitzen der Positionen vergleicht.
Ungefähr 90° nach OT ist der Kolben am schnellsten (je nach Pleuelstangen Lambda) und da ist auch die Strömung am schnellsten. Für mich sehr interessant, dass es da quasi keine Verzögerung gibt, was wohl auch mit der guten Überschneidung zusammenhängt.
Dann sinkt sowohl Nockenhub, Kolbengeschwindigkeit, Strömung und Unterdruck langsam in sich zusammen. Doch schon wird es wieder interessant, der Druck geht ins Positive, da der Kolben wieder hoch fährt, aber das Einlassventil ist noch nicht geschlossen. Dadurch geht die Strömung ins Negative, denn es wird wieder etwas zurück in den Einlass gedrückt aufgrund der sehr scharfen Steuerzeiten. Es ist normal, dass der Einlass erst deutlich nach UT geschlossen wird, denn die Gassäule hat eine Trägheit und strömt nach. Aber das ist abhängig von der Geschwindigkeit, also der Drehzahl da der Motor bei Drehmoment Maximum gemessen wurde, ist diese noch nicht bei der Leistung angelangt. Das Rückströmen wird also mit steigender Drehzahl weniger und es kann sein, dass es bei der Leistungsdrehzahl genau passt. Wenn man die Steuerzeiten zu scharf wählt, wird dieser Punkt allerdings nie erreicht und man hat nur Nachteile. Keiner will bereits im Brennraum gewesenes, erhitztes Gas wieder im Einlass haben. Es sollte also eher das Ziel sein mit kürzeren Steuerzeiten und dafür mehr Hub die Leistung zu erreichen, wenn man wert auf ein breites Drehmoment Band legt. Denn das Drehzahlband gewinnt das Rennen, nicht der kurze Leistungspeak.

So viel dazu und herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon Knubbler » Donnerstag 4. Februar 2021, 20:47

Schönen guten Abend zusammen,
Ich mach heute mal einen Abschluss Tag. Das Thema mit der Strömung schließe ich hier jetzt erstmal ab, die gängigen drei 650er sind ja jetzt erstmal durch, hat Spaß gemacht :D
Dann ist noch das Thema mit dem Yamaha Massenausgleich des Kurbeltriebs offen, da kommt jetzt auch ein Haken dahinter. Die Kurbelwelle ist ja bereits gewuchtet, es fehlt nur noch die Ausgleichswelle.

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Dazu wurde Schwermetall benutzt. Eine Wolfram Legierung mit über der doppelten Dichte als Stahl. Es muss also nur noch der berechnete Massepunkt erzeugt werden.

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Die Stopsel wurden jeweils verpresst und damit ist die Wuchtung abgeschlossen. Sieht doch ganz hübsch aus :D
Bis bald und Ohren steif halten!

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Re: SV650 aus dem letzten Jahrtausend

Beitragvon gixxn » Donnerstag 4. Februar 2021, 21:13

Sehr geil ! Sag mal wo nimmst du nur die ganze Zeit her? Echt bewundernswert !

Frage, was kostet so ein Stück Wolfram wie in deiner Hand zu sehen.


gruß gixxn


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